Samstag, 16. März 2019
Eleison Kommentare DCVIX (609)

Ein Konvertit heute — III

Bischof Williamsons Eleison Kommentare,
Nummer DCIX (609)

Eine Seele, die Ihn nicht zuvor verlassen
Wird Gott nimmerdar sich selbst überlassen.

 

Lieber junger Freund!

Vor zwei Wochen schilderten diese „Kommentare“ die Geschichte Ihrer Abkehr vom Ödland einer modernen Universität zur Wahrheit des katholischen Glaubens. Sie endete mit Ihrer Bitte um Rat, weil Sie selbst begriffen hatten, daß Gott Ihnen die Wahrheit offenbart hatte, Sie sich jedoch noch nicht im Klaren darüber waren, wie Sie sich angesichts der zutiefst verwirrten Lage der Kirche und der Welt verhalten sollen. In der letztwöchigen Ausgabe dieser „Kommentare“ erhielten Sie grundlegende Ratschläge, die für einen katholischen Konvertiten im allgemeinen, d. h. zu allen Zeiten und überall, gültig sind. In der vorliegenden Ausgabe werden Ihnen jene spezifischen Ratschläge erteilt, dank denen Sie erkennen mögen, wo Sie im heutigen Chaos der Kirche stehen — einem Chaos, das in allen 20 Jahrhunderten der Kirchengeschichte beispiellos ist.

Die Krise ist beispiellos, weil die Welt nur ein Ende haben wird, und wir uns diesem nähern. Lesen Sie Unseres Herrn eigene Schilderung der Endzeit (Matthäus XXIV; Lukas XXI), und führen Sie sich die — ungefähr aus dem Jahr 67 der christlichen Ära stammende — Warnung des Heiligen Paulus vor Augen (2. Brief des Paulus an Timotheus III, 1–9, insbesondere Verse 5 und 8): Es werden „Menschen mit völlig verdorbener Gesinnung“ vorherrschen, „untüchtig zum Glauben“; sie „haben den äußeren Schein von Gottesfurcht, deren Kraft aber verleugnen sie. Von solchen wende dich ab.“ Ein trefflicher Rat für das Jahr 2019 n. Chr., weil es wichtig ist, sich zu vergegenwärtigen, daß die heutigen Menschen im allgemeinen und die Katholiken im besonderen in ihrer Gesamtheit nicht „normal,“ sondern als Ergebnis eines langen Degenerationsprozesses in schwerste Irrtümer verstrickt sind. Der Zweck dieser Erkenntnis besteht nicht darin, sie zu verachten oder der Verzweiflung anheimzufallen, sondern die richtigen Schritte zu unternehmen, um in einer post- und antichristlichen Welt ein wahrhaftig katholisches Leben zu führen. Mit Gott ist das möglich: „Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus“ (Philipper IV, 13).

Das heutige Chaos in der Kirche ist ohne Parallele, weil die Kirche in Rom vor Vatikan II (1962–1965) niemals offiziell vom katholischen Glauben abgewichen war. Nun müssen die katholische Wahrheit und die katholische Autorität nach dem Plan Unseres Herrn Hand in Hand gehen: Als Christus zu Petrus sagt, er habe für ihn gebetet, damit sein Glaube (die katholische Wahrheit) nicht erlösche, fügt er zugleich hinzu, Petrus solle (als Träger der katholischen Autorität) danach seine Brüder, die anderen Apostel, stärken (Lukas XXII, 32). Denn die Wahrheit ist der eigentliche Zweck der Autorität, bedarf der Autorität jedoch zu ihrem Schutz. Beide brauchen einander, doch durch Vatikan II wurden sie auseinandergerissen, weil die Päpste, Kardinale und Bischöfe (als Träger der Autorität) sich von der modernen Welt in ihren Bann ziehen ließen und die alte Religion (die Wahrheit) aufgaben. Von da an mußten alle Katholiken schizophren sein: Entweder hielten sie an der Wahrheit fest und lehnten es ab, sich der falschen Autorität zu unterwerfen, oder sie beugten sich der Autorität und entsagten der Wahrheit, oder sie entschieden sich für irgendeinen Mittelweg. Von da an mußte jedes katholische Schaf seinen eigenen Weg durch die Dornenhecken finden, die von den schlechten Hirten von Vatikan II gepflanzt worden waren.

„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ (Matthäus VII, 15–20). Der Weg, den Erzbischof Lefebvre ging, indem er den falschen Hirten trotzte, ihre Autorität jedoch weiterhin anerkannte, hat sich als einer der fruchtbarsten Wege erwiesen, um in dem durch das Konzil heraufbeschworenen Chaos Glauben und Verstand zugleich zu bewahren . Aber seine Nachfolger an der Spitze seiner Bruderschaft sind seinem Gleichgewicht zwischen Wahrheit und Autorität nicht treu geblieben. Selbst heute noch kriechen viele davon zu dem falschen Rom zurück, obschon dieses falscher ist als je zuvor! Lassen Sie sich dies eine Warnung vor der Gefahr sein, heute zu glauben, daß der Schein des Katholizismus und dessen Substanz übereinstimmen. Doch wie weiß man, wo die Substanz zu finden ist? Die beste, eben zitierte Antwort hat Unser Herrgott Selbst erteilt: Erkennt sie an ihren Früchten! An welchen Früchten? Am übernatürlichen Glauben, so wie Gott Ihnen gegeben hat, ihn zu deuten, und an der echten übernatürlichen Nächstenliebe.

Als nächstes rate ich Ihnen, mit Katholiken aller Art zu verkehren, jedoch mehr zuzuhören als selber zu sprechen. Beeilen Sie sich nicht damit, sich endgültig für einen Beruf zu entscheiden, denn Gott ist nie in Eile (Galater I, 18; II, 1). Haben Sie grenzenloses Vertrauen in Seine Weisheit und Vorsehung, und vermeiden Sie es, irgendeinem menschlichen Führer oder einer menschlichen Gruppe blindlings zu vertrauen, ehe Gott Seiner Kirche wieder auf die Füße hilft (was Er sicherlich tun wird). Ehren Sie stets Ihre Eltern, gleichgültig wie schwer sie irren mögen (Gott hat Ihren Eltern die Gnade, die er Ihnen schenkte, nicht verliehen, zumindest bisher nicht). Haben Sie grenzenloses Mitleid mit der Masse verwirrter Seelen um Sie herum, aber verwechseln Sie subjektive Ehrlichkeit niemals mit objektiver Wahrheit. Lieben Sie die Muttergottes und beten Sie, so lange Sie können, täglich alle 15 Mysterien Ihres Heiligen Rosenkranzes. Und Gott sei mit Ihnen!

 

Kyrie eleison.

 

(16. März 2019)

 

 

© 2011–2019 BRN Associates, Inc. Alle Rechte vorbehalten.

Interessierten Lesern dieses Artikels wird eine einfache, nicht-ausschließliche Lizenz eingeräumt, den Artikel auszudrucken, per E-Post weiterzuleiten und bzw. oder im Internet zu veröffentlichen, solange keine inhaltlichen Änderungen am Artikel vorgenommen werden und solange diese Vorbehalts-Notiz mitgeliefert wird. Dies gilt für jede Art von hiermit erlaubter Vervielfältigung. Abgesehen von dieser beschränkten, nicht-ausschließlichen Lizenz darf kein Teil des Artikels ohne schriftliche Genehmigung des Herausgebers in irgendeiner Form oder durch irgendwelche elektronische oder mechanische Mittel, einschließlich Informationsspeicherungs- und Datenabfragesysteme, vervielfältigt werden. Ausgenommen sind Rezensenten, die kurze Passagen in einer Rezension zitieren dürfen, sowie jene Fälle, in denen hierin vervielfältigte Inhaltsrechte von seinen ursprünglichen Autoren oder anderen Rechteinhabern beibehalten werden. Eine weitergehende Vervielfältigung bedarf einer gesonderten Genehmigung.

Anfragen zu Benutzungs- und sonstigen Rechten bitte richten an: editorial@marceleditions.com

„Nec laudibus nec timore!“

Seliger Clemens August Kardinal von Galen, Wahlspruch

Es gelten die traditionellen katholischen Begriffsdefinitionen.

 
© kreuz-net.info, EMail: redaktion@kreuz-net.info, Impressum