Samstag, 18. August 2018
Eleison Kommentare DLXXIX (579)

Getürktes Videospiel — I

Bischof Williamsons Eleison Kommentare,
Nummer DLXXIX (579)

Politik, Wirtschaft, Krieg und Frieden —
Für oder gegen Christus wählt alles hienieden.

 

Mit Gewißheit erfleht die Nächstenliebe für den neuen Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X., Gott möge ihm die Einsicht und die Kraft schenken, die Bruderschaft wieder auf den von Erzbischof Lefebvre für ihr Wohl — und für jenes der Gesamtkirche — vorgegebenen Kurs zu bringen. Realistisch gesehen, hat Pater Pagliarani vielleicht nicht einmal den Wunsch, derartiges in Angriff zu nehmen. Menschlich gesehen, gibt es sichere Anzeichen dafür, daß er sich auf der gleichen Wellenlänge wie Bischof Fellay befindet, und daß seine Wahl zum Generaloberen der gemeinsame von Rom und Bischof Fellay geschmiedete Plan B für das Kapitel war, sollte Bischof Fellay nicht mehr gewählt werden. Es hieße: Wenn P. Pagliarani die Interessen von Bischof Fellay wahrnähme, würde Bischof Fellay im Bedarfsfall dessen Kandidatur zum Generaloberen fördern. Es folgen nun einige Indizien dafür, daß die beiden sich verschworen haben, die traditionskatholische Priesterbruderschaft unter die Fittiche des Konzilsrom zu bugsieren —

  • Vom Zwischenkapitel 2012 (auf dem keine Wahlen vorgesehen waren) wurde berichtet, daß es Pater Pagliarani war, der Bischof Fellay vor vernichtenden Argumenten beschützte, die dem Kapitel für die Absetzung und Auswechslung von Bischof Fellay als Generaloberer vorgelegt wurden. Pater Pagliarani bat das Kapitel, es möge doch dem Oberen keinen Schlag ins Gesicht versetzen — und das schwache Kapitel ging direkt zu anderen Angelegenheiten über.
  • Schon bald nach diesem Interimskapitel wurde Pater Pagliarani von Bischof Fellay befördert — belohnt? — mit dem ehrvollen Posten als Regens am Priesterseminar der Bruderschaft für Lateinamerika in La Reja, Argentinien. Dort hätte Pater Pagliarani jeden kritisiert, der die Notwendigkeit eines Abkommens zwischen der Bruderschaft und Rom nicht verstand — Bischof Fellays ureigene Politik.
  • Wir dürfen hoffen, eines Tages genau zu erfahren, wie es dazu kam, daß die beiden „Berater“ in den Generalrat der Bruderschaft aufgenommen wurden, und Bischof Fellay damit wieder dem Machtzirkel innerhalb der Bruderschaft beigeordnet wurde, von dessen Thron er just einige Tage zuvor verjagt worden war. Ist es wirklich vorstellbar, daß die allzu fügsamen und respektvollen Kapitulanten für einen solchen Schachzug gestimmt hätten, wenn der neue Generalobere selbst ihn nicht gutgeheißen, oder sogar selber vorgeschlagen hätte?

Solche Fragen bleiben Spekulationen, bis die Fakten offengelegt werden. Aber sie sind keine leeren Spekulationen, denn vom Kurs der Bruderschaft hängt viel in der Universalkirche in den nächsten Jahren ab. Wird die Bruderschaft wieder zum zentralen Bollwerk des Widerstands gegen die konziliare Apostasie, welche verheerenden Schaden und Verwüstung in der Kirche anrichtet? Oder wird sie sich dieser Strömung des Glaubensabfalls anschließen? Innerhalb der Amtskirche war die Bruderschaft im Vergleich mit allen anderen Institutionen, die zusammen die Universalkirche bilden, zahlenmäßig immer unbedeutend. Doch machte die einzigartige Glaubenstreue der Priesterbruderschaft gegenüber der katholischen Lehre und den Sakramenten aller Zeiten, die von den höchsten kirchlichen Amtsträgern aufgegeben oder pervertiert wurden, eben diese Bruderschaft zu einer Kraft, mit der man rechnen mußte. Der Einsatz des Erzbischofs für die Wahrheit machte, daß er nicht zu besiegen war. Die Konzilspäpste konnten ihn weder verschlingen noch ausspucken. Bischof Fellay hingegen haben sie längst aufgefressen und hinuntergeschluckt.

Die Zeit wird zeigen, wie Pater Pagliarani mit seiner gewaltigen Verantwortung umgehen wird. In der Zwischenzeit beten wir für ihn, ohne dabei zu viele menschliche Hoffnung zu haben. Das Risiko ist allzu groß, daß die Verantwortlichen der Bruderschaft dem Rest der Weltführer folgen und die Bruderschaft in ein „getürktes Videospiel“ verwandeln, wie jemand die Welt von heute so treffend bezeichnete. Um die Menschheit zu bestrafen, die Gott in allen Bereichen verrät, gibt Er Seinen Feinden die Macht, auch noch die letzten Überreste Christi und der christlichen Zivilisation auszurotten. Wie auch immer: Zumindest für eine Weile müssen der Schein Christi und Seiner Kirche gewahrt bleiben. So merken jene Menschen, die nach und nach um das Christentum gebracht werden, nicht einmal diesen Verlust. Deshalb dieses realitätsfreie Videospiel hinter dem hohlen Schein. Deshalb dieses Türken von Wahlen und Kapiteln: Um eine Neue Weltordnung ohne Christus oder Gott hervorzubringen.

Ach weh‘, diese armen Feinde. Gott existiert, und Er wird zuschlagen!

 

Kyrie eleison.

 

 

(18. August 2018)

 

 

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