Samstag, 12. Mai 2018
Eleison Kommentare DLXV (565)

Fromme Träume — I

Bischof Williamsons Eleison Kommentare,
Nummer DLXV (565)

Das arme Menzingen hängt seinen frommen Träumen nach
Die Modernisten rütteln es aus diesen Träumen wach.

 

Im Juni letzten Jahres verfaßte ein Kollege in Frankreich einen guten Artikel zu der Frage, ob die Priesterbruderschaft St. Pius X. von den Kirchenbehörden in Rom einen kanonischen Status erlangen solle, der die Interessen der Bruderschaft schützen werde. Offensichtlich glaubt das Hauptquartier der Bruderschaft in Menzingen, Schweiz, daß die Möglichkeit, einen solchen Status zu erhalten, durchaus besteht, und wenn der gegenwärtige Generalobere im Juli für eine dritte Amtszeit wiedergewählt wird, wird die Bruderschaft dieses Ziel weiterverfolgen. Allerdings ist es durchaus nicht einleuchtend, daß ein solches Ziel überhaupt angestrebt werden soll. Eine volle acht Seiten lange Argumentation, die im Juni 2017 in der Nr. 127 von Ocampo erschienen ist, wird im folgenden auf einer Seite zusammengefaßt.

In dem Artikel wird die Position vertreten, daß sich die Bruderschaft unter keinen Umständen allmächtigen Kirchenbehörden unterstellen darf, die von den Prinzipien der Französischen Revolution, wie sie in Vatikan II verkörpert werden, geprägt sind, weil die Oberen ihre Untergebenen formen und nicht umgekehrt. Erzbischof Lefebvre hat die Bruderschaft als Widerstandsbewegung gegen den Verrat am katholischen Glauben durch Vatikan II gegründet. Durch eine Unterwerfung unter die Konzilskirche würde sich die Bruderschaft zu den Verrätern am Glauben gesellen.

„Kirchenbehörden “ heißt Diozösanbischöfe und Papst. Was die Bischöfe betrifft, so könnten jene, die der Bruderschaft mit offener Feindseligkeit begegnen, vielleicht weniger gefährlich sein als diejenigen, die ihr möglicherweise freundlich gesinnt sind, jedoch die absoluten Forderungen der katholischen Tradition nicht verstanden haben, die nicht nur die Forderungen der Priesterbruderschaft St. Pius X. sind. Was den Papst betrifft: Wenn seine Worte und Taten beweisen, daß er gegen die katholische Tradition arbeitet, die aufrechtzuerhalten seine Pflicht wäre, haben die Katholiken das Recht und die Pflicht, sich sowohl gegen die Art, auf die er seine Autorität mißbraucht, als auch gegen ihr eigenes angeborenes Bedürfnis, den katholischen Autoritäten zu folgen und zu gehorchen, zur Wehr zu setzen. Nun kann ein Konzilspapst zwar in der Theorie besonderen Schutz für die Tradition der Bruderschaft versprechen, aber in der Praxis muß er aufgrund seiner eigenen Überzeugungen danach streben, daß die Bruderschaft das Konzil anerkennt und die Tradition über Bord wirft. Angesichts der großen Macht des Papstes, seinen Willen durchzusetzen, darf sich die Bruderschaft nicht bei ihm anbiedern.

Die Erfahrung zeigt, dass Traditionalisten, die unter die Ägide des konziliären Rom zurückkehren, anfangs vielleicht einfach über die Irrtümer des Konzils schweigen, diese jedoch in der Regel schließlich akzeptieren. Ihre anfängliche Bereitschaft zum Schweigen ist letzten Endes tödlich für ihr Bekenntnis zum Glauben. Und indem sie einen Kompromiß nach dem anderen schließen und ihrer Position damit immer untreuer werden, laufen sie am Ende Gefahr, ihren Glauben sogar zu verlieren. Der Glaube war es, der Erzbischof Lefebvre zum Ausspruch bewog, sofern die Konzilsrömer nicht zur Lehre der großen antiliberalen päpstlichen Enzyklopädien zurückkehrten — was sie seither nicht getan haben und in absehbarer Zukunft auch nicht tun werden —, sei ein weiterer Dialog zwischen den Römern und den Traditionalisten sinnlos; er hätte noch hinzufügen können, daß ein solcher Dialog für den Glauben geradezu gefährlich ist.

In dem Artikel werde ferner acht Einwände gegen diese Position aufgezählt; diese werden in Kursivschrift zusammengefaßt, wobei in jedem Fall eine kurze und bündige Antwort folgt:

1 Mit der Personalprälatur bietet Rom der Bruderschaft einen speziellen Schutz. Schutz vor den Diözesanbischöfen vielleicht, aber nicht vor der obersten Autorität des Papstes selbst in der Kirche.

2 Roms Drängen auf eine Übereinkunft hat nachgelassen. Nur weil Konzessionen in Richtung auf eine praktische Zusammenarbeit wirksamer sind, um die Unterwerfung der Katholiken zu erreichen. Die Kommunisten kennen diesen Mechanismus bestens.

3 Die Bruderschaft beharrt darauf, von Rom so akzeptiert zu werden, wie wir sind”, d. h. traditionalistisch. Für die Römer bedeutet das: „So wie ihr sein werdet, wenn die praktische Zusammenarbeit euch gezeigt haben wird, wie nett wir sind.“

4 Somit wird die Bruderschaft auch weiterhin die Irrtümer des Konzils angreifen. Nichts wird sich ändern. Rom kann sich Zeit lassen, um auf immer größere Veränderungen zu bestehen.

5 Aber Papst Franziskus liebt die Bruderschaft! So wie der böse Wolf Rotkäppchen liebte!

6 Die Bruderschaft ist zu tugendhaft, um sich von Rom hinters Licht führen zu lassen. Eine törichte Illusion! Der Erzbischof selbst ließ sich anfangs durch das Protokoll vom 5. Mai 1988 irreführen.

7 Verschiedene traditionalistische Gemeinden haben sich Rom wieder unterstellt, ohne die wahre Messe aufgeben zu müssen. Aber mehrere davon haben kapituliert und schwerwiegende Irrtümer des Konzils verteidigt.

8 Papst Franziskus als Person ist im Irrtum befangen, aber sein Amt ist heilig. Die Heiligkeit seines Amtes kann mich nicht dazu verpflichten, seinen persönlichen Irrtümern, d. h. dem Missbrauch seiner Funktion, zu folgen. Der wahre Glaube steht über dem Papst.

 

Kyrie eleison.

 

 

(12. Mai 2018)

 

 

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