Samstag, 24. März 2018
Eleison Kommentare DLVIII (558)

Entziffertes Chaos

Bischof Williamsons Eleison Kommentare,
Nummer DLVIII (558)

Betet den Rosenkranz, wollet vor Christus und der Jungfrau knien,
Damit sie Gott bewegen mögen, jetzt sein flammend Schwert zu ziehen.

 

Die Tage vor der heiligen Osterwoche sind eine passende Zeit, um sich Gedanken über die Passion (das Leiden) der katholischen Kirche zu machen. Ein Leser schreibt: „Können Sie uns sagen, was im Himmels Namen mit der Priesterbruderschaft St. Pius X., Bischof Fellay und anderen los ist? Wir hören hier seltsame Geschichten, und wir wissen nicht so recht, was wir glauben sollen. DIE DINGE SIND SO AUS DEN FUGEN GERATEN, DASS MAN ES KAUM GLAUBEN KANN – ÜBERALL. Angefangen beim (1) Novus Ordo haben wir (2) die Piusbruderschaft, (3) die Sedisvakantisten, (4) den der Piusbruderschaft entsprungenen Widerstand und (5) die Gruppe Pater Pfeiffers, wobei uns zweifellos noch weitere Spaltungen bevorstehen! Was in aller Welt führt ‚Papst’ Franziskus im Schilde? Er spricht die ganze Zeit nur über Politik, niemals über Spirituelles! Und man hört, Fellay liebäugele mit einem Kardinalshut. Was bedeutet all das?“

Lieber Freund, daß sich die katholische Kirche in einem Zustand des Chaos befindet, ist eine gerechte Strafe Gottes, weil Seine Kirche „das Licht der Welt” und „das Salz der Erde” ist, doch überall auf der Welt wendet sich die Menschheit von Ihm ab, darunter sogar seine eigenen Prälaten. Würde Gott zu früh eingreifen, um Seinen Papst zu retten, so wäre dies unnütz, denn die heutigen Prälaten würden sich gegen einen wirklich glaubenstreuen Papst erheben und ihn zerreissen (Matthäus VII, 6), so wie sie möglicherweise Johannes Paul I. ermordet haben. Somit wird die ganze Welt in immer mehr Finsternis (kein Licht) und Korruption (kein Salz) geraten, bis genügend Menschen so von Entsetzen über das heutige galoppierende Chaos überwältigt werden, daß sie wieder vor Gott niederknien und ihn bitten, in seiner Gnade den Papst zur Besinnung zu bringen, der, wie Sie sagen, heutzutage Politik betreibt, statt den Glauben zu predigen.

Der Papst ist von entscheidender Bedeutung, ist er doch der Fels, auf dem die Kirche errichtet ist (Matthäus XVI, 18). Wird dieser Fels gespalten, weil er der verderbten Welt folgen will, statt sie aus ihrer Verderbnis zu führen, dann „geraten die Dinge so aus den Fugen, dass man es kaum glauben kann — überall,“ wie Sie sagen. Als unser Herr im Garten Gethsemane „geschlagen“ wurde, wurden alle Apostel „zerstreut“ (siehe Zacharias XIII, 7; Matthäus XXVI, 31). Heute ist Papst Franziskus so schwer angeschlagen, daß die päpstliche Autorität überall in der Kirche eigentlich in Scherben liegt, und alle katholischen Schafe zerstreut sind.

Das Problem von Papst Franziskus wurzelt im Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965), denn damals gaben die Päpste den Widerstand gegen die dekadente moderne Welt auf und beschlossen, ihr stattdessen zu folgen. Bis einschließlich Pius XII. (1939–1958) hatten die Päpste Widerstand gegen jene Dekadenz geleistet, doch hüllte sich diese in so glänzende Gewänder und war so überwältigend verführerisch, daß Johannes XXIII., Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. sich von ihr betören ließen (nicht ohne ihre eigene Schuld). Sie schufen den von Ihnen unter Punkt (1) genannten Novus Ordo oder die Konzilskirche, benannt nach dem Novus Ordo der Messe, der Heerscharen von Katholiken in virtuelle Protestanten verwandelt hat. Papst Franziskus hat nicht nur die Irrtümer dieser Päpste von dem verfluchten Konzil übernommen, sondern setzt sie auf besonders zerstörerische Weise in die Praxis um, und beschwört hierdurch innerhalb der Kirche mehr Chaos herauf denn je zuvor.

Schon bald nach dem Konzil erteilte Gott jedoch einem katholischen Erzbischof den Auftrag, eine Kongregation zu begründen, die allen Seelen, welche sich weigerten, die damals von den Päpsten und der Masse der Prälaten verratene Tradition aufzugeben, eine spirituelle Heimat bot. Dies war die von Ihnen unter Punkt (2) erwähnte Priesterbruderschaft St. Pius X., die bis zum Tode des Erzbischofs im Jahre 1991 blühte. Bereits vor seinem Tode wurden allerdings die „Sedisvakantisten“ (Ihr Punkt 3) aktiv, die dermaßen empört über die Konzilspäpste waren, daß sie sie nicht einmal als wahre Päpste anerkennen wollten. Und nach dem Ableben des Erzbischofs biederten sich seine jüngeren Nachfolger an der Spitze der Piusbruderschaft bei der modernen Welt an und verfielen denselben Irrtümern wie das Konzil, insbesondere Bischof Fellay, der in der Tat mit einem Kardinalshut liebäugeln mag — als Belohnung dafür, daß er den traditionalistischen Widerstand gegen die Neukirche ausgehöhlt hat. Dieser Verrat, der innerhalb der Bruderschaft an dem wahren Widerstand des Erzbischofs geübt wurde, gab den Anstoß zum „Widerstand“ außerhalb der Bruderschaft — Ihr Punkt (4) —, zu dem sich zerstreute Priester lose zusammengeschlossen haben, um den katholischen Glauben zu wahren, der mittlerweile sowohl innerhalb der Piusbruderschaft als auch innerhalb des Novus Ordo mit Füßen getreten wird. Gute Katholiken mögen sich nach einem straffer organisierten Widerstand sehnen, doch inzwischen hat ein halbes Jahrhundert von demokratischen Konzilspäpsten die katholischen Strukturen weitgehend gelockert. Allerdings erschien hier die Gruppe um Pater Pfeiffer — Ihr Punkt (5) — auf der Bühne, welcher der „Widerstand“ nicht entschlossen genug schien.

Kurzum, innerhalb aller fünf Gruppierungen gibt es zerstreute, Gott wohlbekannte katholische Schafe, die den Glauben besitzen und Katholiken sein wollen, aber die Konzilspäpste sind unfähig, die Katholiken im wahren Glauben zu einen. Und da kein anderer als ein Papst, dessen Verstand ungetrübt ist, diese Aufgabe erfüllen kann, muß „was nicht geheilt werden kann, erduldet werden“, bis Gott eingreift. Und damit Gott eingreife, möge jeder Katholik — oder auch Nichtkatholik! — täglich 15 Mysterien des Rosenkranzes beten, damit Gottes Mutter bei Ihrem Sohn Fürbitte einlege.

 

Kyrie eleison.

 

 

(24. März 2018)

 

 

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