Samstag, 15. April 2017
Eleison Kommentare DIX (509)

Argumente für die Auferstehung

Bischof Williamsons Eleison Kommentare,
Nummer DIX (509)

Dass Jesus Christus auferstand, ist für mich keine Frage.
Durch trockene Argumente kommt die Wahrheit schon zutage!

 

Am Vorabend des Ostertages wollen wir uns mit der alten Frage auseinandersetzen, wie vernünftig es ist, an ein so aussergewöhnliches Geschehnis zu glauben wie dasjenige, dass ein Mensch sein Grab verlässt, obwohl dieses durch einen Stein verschlossen ist, der unter normalen Umständen schwer genug wäre, um jeden Gedanken an eine solche Tat von vorne herein zu verbieten. Dabei wollen wir als erstes die theologische Frage nach dem „Wie” der Auferstehung aufwerfen und als zweites die historische Frage, „ob” sie tatsächlich stattgefunden hat.

Für Katholiken, die dank der übernatürlichen Gabe des Glaubens der festen Überzeugung sind, dass die zweite göttliche Person der Heiligen Dreieinigkeit bei der Inkarnation in vollem Besitz der vollständigen göttlichen Natur zusätzlich eine vollständige menschliche Natur erwarb, so dass in einer göttlichen Person zwei Naturen vereint waren, ist es nicht schwer zu verstehen, wie die Auferstehung erfolgte. Am Kreuz starb die göttliche Person tatsächlich – nicht in Ihrer unsterblichen göttlichen Natur, sondern in ihrer menschlichen Natur, die wie die jedes anderen sterblichen Menschen durch die Trennung seiner menschlichen Seele von seinem menschlichen Leib sterben kann. Doch während Seele und Leib bei Jesus Christus voneinander getrennt werden konnten, war weder die Seele noch der Leib von der göttlichen Person getrennt. Aus diesem Grunde rezitieren die Katholiken in ihrem Glaubensbekenntnis, dass Er (Leib und Seele) „litt und starb”, dass Er (Leib) „begraben” wurde und dass Er (Seele) „ins Totenreich hinabstieg” (nicht in die Hölle der Verdammten, sondern in den Limbus der guten Seelen von Verstorbenen, die auf den erlösenden Tod Christi warteten, welcher ihnen die von Adam und Eva verschlossenen Tore des Himmels öffnen würde). Da sowohl der menschliche Leib als auch die menschliche Seele Christi mit der göttlichen Person verbunden blieben, mag es für diese Person zwar nicht leicht gewesen sein, den grässlichen Tod am Kreuz zu erleiden, doch war es für sie leicht, Ihre menschliche Seele mit Ihrem menschlichen Leib im Grab wieder zu vereinen, so dass Seine menschliche Natur ins Leben zurückkehren konnte. Und selbst der schwerste Stein auf Erden hätte diese Person nicht daran hindern können, sofort zur Muttergottes emporzusteigen, um sie zu trösten.

Doch muss eine Seele die übernatürliche Gabe des Glaubens besitzen, um die Realität der Auferstehung zu akzeptieren? Nicht unbedingt. Wenn ein ungläubiger, aber ehrlicher Geist die rein natürlichen Argumente ins Feld führt, die sich aus der menschlichen Psychologie und der menschlichen Geschichte ergeben, kann er leicht zum Schluss gelangen, dass nur ein Ereignis, das wenigstens so sensationell wie die Auferstehung ist, die Tatsachen, so wie wir sie kennen, erklären kann (und niemand wende ein, die Auferstehung sei dermaßen süss und lieb und nett , dass Argumente überflüssig seien! Menschen brauchen Argumente! Gott hat uns Menschen nicht umsonst den Kopf oben gesetzt!)

Betrachten wir die Geschehnisse zuerst vom Standpunkt der menschlichen Psychologie aus, wobei wir versuchen, uns in die Lage der Apostel zu versetzen. Drei Jahre lang hatten sie gelernt, ihrem göttlichen Herrn zu glauben und zu vertrauen und ihn zu lieben. Dann wird er wie ein gewöhnlicher Verbrecher öffentlich hingerichtet, nachdem sie ihn im Garten Gethsemane allesamt im Stich gelassen haben. Und nach der Passion sind sie vollkommen entmutigt (vgl. Johannes XX, 19). Unter diesen Umständen ist dies absolut normal. Doch nach 50 Tagen sind sie abermals in Jerusalem, treten den Juden mit offenem Visier entgegen und bekehren sie, Tausende auf einmal, zum Glauben an Jesus Christus (vgl. Apostelgeschichte II, 41; IV, 4). Und innerhalb von 300 Jahren werden diese Apostel und ihre Nachfolger das Römische Kaiserreich selbst bekehrt haben. So sehen die historischen Fakten aus. Was für ein Ereignis, das weniger sensationell gewesen wäre als die Auferstehung, hätte eine solchen psychologischen Umschwung bewirken können, der Getretene und Unterdrückte in Welteroberer verwandelte?

Betrachten wir die Geschehnisse nun vom Standpunkt der menschlichen Geschichte, und zwar aus der Perspektive der Juden. Sie hassten Christus und töteten Ihn, so wie sie seither stets versucht haben, Seine Kirche zu zerstören. Doch schon 50 Tage nach der Kreuzigung Christi sind seine Jünger wieder hier und gebieten den Juden, sich im Namen Jesu Christi taufen zu lassen, und dabei benutzen sie die Auferstehung als ihr Hauptargument. Hätte der wirksamste Weg, sie zum Schweigen zu bringen, nicht darin bestanden, dem Volke den toten Leib Christi zu zeigen? Und können wir bezweifeln, dass ihnen damals wie heute alles Geld, die ganze Polizei und alle nötigen Machtmittel zur Verfügung standen, um jede beliebige Leiche zu finden, die man überhaupt finden konnte? Statt im Keime erstickt zu werden, erlebte das Christentum jedoch einen staunenswerten Aufschwung. Die einzige Erklärung besteht darin, dass es keine Leiche gab, die man hätte finden können. Die Auferstehung ist wahr. Man braucht nicht einmal den übernatürlichen Glauben, um sie zu akzeptieren. Somit hatte Petrus recht, als er sagte: „Tut Buße und lasse sich ein jeder taufen auf den Namen Jesu Christi” (Apostelgeschichte II, 38).

 

Kyrie eleison.

 

(15. April 2017)

 

 

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