Samstag, 31. Oktober 2015
Eleison Kommentare CDXXXIII (433)

Erneut Kultur

Bischof Williamsons Eleison Kommentare,
Nummer CDXXXIII (433)

Ihr Katholiken, gebt euch mit den Heiden ab;
Augustinus sagte: „Alle Wahrheit gehört uns.“
.

 

Eine Leserin der „Kommentare“ stellt erneut den Wert von nicht-katholischer Kultur in Frage und attackiert diese Kommentare für ihr Lob von Richard Wagner (EC Nr. 9) und Thomas S. Eliot (EC Nr. 406 und 411). Sie verwirft Eliot als Protestant und hält Wagner für einen Jakobinischen Teufel mit einer Vorliebe für Buddhismus, dessen Musik mit gnostischer Unreinheit beladen ist. Nun haben gewiß Eliot wie Wagner ihre Fehler, gemessen an der Fülle der katholischen Wahrheit sogar schwerwiegende Fehler, worauf die eingangs erwähnten „Kommentare“ auch hinwiesen. Dennoch haben in unserem kranken Zeitalter beide Künstler ihren Nutzen, welchen der hl. Augustinus mit dem folgenden Satz zusammenfaßte: „Alle Wahrheit gehört uns Christen.“

Eliot wie Wagner gehören der „Kultur“ von vorgestern an. Für unseren Zweck definieren wir Kultur als die Geschichten, Musiken und Bilder, welche der Mensch zu jeder Zeit braucht, um seinen Kopf und sein Herz zu nähren. Dadurch dient die Kultur sowohl dem Widerspiegeln als auch dem Aufdecken, dem Lehren wie dem Formen. Die Kultur reflektiert, weil sie das Erzeugnis eines Schriftstellers, Musikers oder Künstlers ist, welcher über das Talent verfügte, auszudrücken, was die Seelen seiner Zeitgenossen bewegte. Wenn das Erzeugnis zu seiner Zeit populär war, zeigte es einen Teil davon, was die Seelen der damaligen Zeitgenossen antrieb, und wenn es wie bei Eliot und Wagner zu einem Klassiker wurde, so spiegelt und zeigt es einen Teil davon, was die Seelen der Menschen zu allen Zeiten bewegt. Auf diese Weise konnte Eliot selbst aus der Armut seiner unitarischen Erziehung heraus sein gewaltiges Porträt des modernen Menschen zeichnen, während Wagner durch sein herausragendes Talent, jenseits von Buddhismus oder Gnosis, seine Opern umfassend mit echter menschlicher Psychologie füllen konnte, welche tausende von Kommentatoren bis heute interpretieren.

Doch lehrt und formt die Kultur auch, weil der Schriftsteller oder Musiker oder Künstler einer Bewegung, welche bis dahin formlos in den Köpfen und Herzen seiner Zeitgenossen gewesen war, einen Ausdruck und eine Form verleiht. Shelley nannte Dichter „die inoffiziellen Gesetzgeber der Welt.“ Elvis Presley und die Beatles hatten einen großen Einfluß auf die moderne Jugend, für ganze Generationen. Picasso erfand beinahe die Moderne Kunst und gestaltete mit ihr zu einem großen Teil die Weise, wie die modernen Menschen die Welt um sich herum verbildlichen. Diese modernen Beispiele für den großen Einfluß der Literatur, Musik und Kunst auf den Menschen sind allerdings wenig erfreulich, weil der moderne Mensch so gottlos ist und weil es in ihm so wenig von Wert gibt, was reflektiert oder ausgedrückt werden kann. Dennoch darf der große Einfluß dieser Kultur nicht abgestritten werden.

Kurz gesagt: die Kultur ruht auf und entspringt aus der Seele des Menschen. Nun ist die Aufgabe der katholischen Kirche die Rettung der menschlichen Seelen. Wie könnte die Kirche somit die Kultur vernachlässigen? Seit dem Anfang der Kirche haben ihre eigenen Schriftsteller die Gedanken der Menschen gelenkt, und ihre Künstler und Musiker haben die Kirchengebäude mit Schönheit angefüllt, um die menschlichen Seelen zu Gott zu erheben. Das gilt für die katholische Kultur, könnte jemand einwenden, doch sind weder Eliot noch Wagner Katholiken. Welchen Nutzen können diese dann für die Kirche haben?

Beim Menschen spielen drei Dinge eine wesentliche Rolle: die Gnade, die Sünde und die Natur. Von Gott kommend kann unsere grundlegende Natur nur gut sein, doch befleckt von der Erbsünde ist sie schwach und neigt zum Bösen. Die Natur ist also das Schlachtfeld des Krieges für die Ewigkeit zwischen der Gnade und der Sünde um den Besitz dieser Natur. Die Gnade hebt die Natur und heilt sie, während die Sünde sie nach unten zieht. Daher der in diesem Leben nie endende K rieg. Vielleicht fehlten Eliot und Wagner die Gnade, aber Gott schenkte ihnen die Gabe, Meister der Natur zu sein. Die Kirche ist der oberste Befehlshaber im Heer der Seelenretter. Wie könnte sie da anders, als das Schlachtfeld der Natur zu studieren und jeden möglichen Nutzen aus den Meistern der Natur zu ziehen, um die Seelen einer Epoche zu begreifen und sie zu lehren?

 

Kyrie eleison.

 

(31. Oktober 2015)

 

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