Samstag, 6. Juni 2015
Eleison Kommentare CDXII (412)

Konzilspäpste — II.

Bischof Williamsons Eleison Kommentare,
Nummer CDXII (412)

Meinten die Konzilspäpste es gut, als sie verursachten Harm?
Nur Gott ist ihr Richter. Warten wir auf Gottes starken Arm
.

 

Diese „Kommentare“ kommen immer wieder auf das Problem des Subjektivismus zurück, weil sie es für unmöglich halten, ohne ihn die heutige Kirche und Welt richtig zu verstehen. Subjektivismus bedeutet jene Verderbtheit des Geistes, wodurch die Person (Subjekt) ihren Verstand von der Wirklichkeit (Objekt) löst und der Person dadurch freistellt, gemäß ihrer eigenen Vorstellung, d.h. eines Traumbildes, eine neue „Wirklichkeit“ herzustellen. Deswegen umgibt uns heute eine solche Traumwelt mit all ihrem Wahn. Die Wahnwelt der Neukirche (wonach Kirche und Welt versöhnbar seien) ist dieselbe wie die der Neubruderschaft (wonach Tradition und Neukirche vereinbar seien).

Um unseren geistigen Bezug zur Wirklichkeit und unser Gleichgewicht im Glauben aufrechtzuerhalten, brauchen wir stets die Gabe, zwischen dem Subjektiven und dem Objektiven zu unterscheiden. Beispielsweise irren, objektiv gesehen, die Konzilspäpste grundlegend in Glaubensfragen, während sie, subjektiv gesehen, davon überzeugt waren, richtig zu handeln, womit sie wenigstens teilweise (weiß Gott) haben gutmeinend sein können. Vermag ich hingegen nicht mehr zwischen objektiver und subjektiver Betrachtung zu unterscheiden, so falle ich leicht einem von zwei bekannten Irrtümern zum Opfer: Entweder würde ich dann sagen, daß diese Konzilspäpste objektiv irren, womit sie also auch subjektiv irren müssen, und daher nicht mehr gutmeinend sein können und auch gewußt haben müssen, was sie taten; womit sie folglich keine Päpste gewesen sein können und ich dem dogmatischen Sedisvakantismus anheimfalle. Oder ich würde finden, daß die Konzilspäpste überzeugt und überzeugend sind, womit sie subjektiv richtig liegen und damit auch objektiv richtig liegen müssen; also ist diesen Päpsten zu folgen, und ich falle in den Liberalismus (auf diese Weise haben beispielsweise Benedikt XVI. Und Bischof Fellay unabhängig von ihren Absichten viele gute Katholiken, objektiv gesehen, verführt).

Verfügen wir hingegen über einen klaren Glauben, und können wir zwischen objektiver Wirklichkeit und der heutigen umfassenden Traumwelt unterscheiden, so kommen wir, wenn wir letztendlich Rom anhand des wahren Glaubens und nicht den Glauben anhand Roms beurteilen, zu dem Schluß, daß die Konzilspäpste von ihrem Tun überzeugt und somit wenigstens teilweise (weiß Gott) gutmeinend gewesen sein können, daß wir aber niemals ihnen folgen dürfen in ihrer Abkehr vom wahren Glauben und von der wahren Kirche. Anderseits werden wir den Konzilspäpsten weder absprechen, über ein gewisses Maß an guten Absichten verfügt zu haben, noch selber uns zum Richter über dieses Maß aufspielen, sondern warten, bis die Kirche nach einer Kirchengerichtsverhandlung über der Konzilspäpste Hartnäckigkeit und Häresie urteilt.

Freilich sind die heutigen Kirchenmänner so umfassend angesteckt von der Traumwelt des Liberalis mus, d.h . von der Freiheit, Gleichheit und Menschenrechten, anstatt der Pflicht, Hierarchie und Rechten Gottes, daß die Aussicht auf die erwähnte Gerichtsverhandlung tatsächlich sehr gering ist. Deswegen sollten wir in unserem eigenen Verstand die Frage nach den Konzilspäpsten in einem Schwebezustand halten. So eine Schwebe mag unangenehm sein, aber wir wißen, daß Gott zu seiner Zeit sein Papsttum retten wird.

Bis dahin bleibt jene Kirchenstruktur unverändert, wo alle Autorität von den Päpsten nach unten sich ableitet. Weil also Papst Franziskus die Tradition so oft er kann verschmäht, kann die Tradition um ihr Überleben nur kämpfen. Denn um seine Priesterbruderschaft St. Pius X. zu gründen und zu leiten, war für Erzbischof Lefebvre die amtliche Anerkennung durch den örtlichen Diözesanbischof ausschlaggebend. Dadurch wurde die Priesterbruderschaft zur Notbeleuchtung der Amtskirche, und entsprechend kann die heutige „Widerstandsbewegung“ lediglich versuc hen, diese Notbeleuchtung der Amtskirche zu reparieren. Nun aber wird dieser Versuch sowohl von den Amts- als auch von den Notbeleuchtungs-Elektrikern behindert. So sei es. Doch jemand muß ein paar Lichter in der Kirche brennen lassen. Möge also angesichts der Behinderungsversuche durch die Elektrikerkollegen niemand Wunderwerke von der „Widerstandsbewegung“ erwarten. Haben wir Geduld; denn Gott bleibt Herr.

 

Kyrie eleison.

 

(6. Juni 2015)

 

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