Freitag, 1. Februar 2013
Menschenrechte

Kardinal Meisner irrt in der Frage der „Abtreibungspille ‚danach‘“

In einer „Erklärung des Erzbischofs von Köln zur „Pille danach‘“ vom 31. Januar 2013 hat Joachim Kardinal Meisner, „nach einer Vergewaltigung“ die Vertretbarkeit der Verwendung der „Pille danach“ gesehen, wenn das „Wirkprinzip die [ausschließliche] Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern.“ Das ist offenbar medizinisch nicht haltbar.

Die Erklärung von Kardinal Meisner vom 31. Januar 2013 führt zur (falschen) Interpretation, die Kirche erlaube die Abtreibungspille

Und weiter: „Wenn ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Nidationshemmung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Einnistung der bereits befruchteten Eizelle zu verhindern, ist das nach wie vor nicht vertretbar.“

Abweisung nicht eingetroffener Patientin nicht möglich

Auslöser war die angebliche Abweisung (beides Kliniken der Cellitinnen; u.a. im St. Vinzenz-Hospital in Köln) einer mutmaßlich vergewaltigten Mutter am 15. Dezember 2012 in zwei katholischen Krankenhäusern in Köln. Das St. Vinzenz-Hospital hatte im Oktober 2011 in einem anderen Fall eine Abtreibungspille verabreicht, was zu heftigen Protesten führte.

Nach Pressemitteilung der Cellitinnen vom 21. Januar 2013 konnte die Patientin schon allein deshalb nicht abgewiesen worden sein, weil sie in keiner der beiden Kliniken eingetroffen ist.

Vielmehr hatte die behandelnde Ärztin der Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung, die zudem bereits ein Rezept für eine Abtreibungspille ausgestellt hatte, nur telephonischen Kontakt mit den beiden katholischen Krankenhäusern.

Warum diese Ärztin im Wissen um die katholische Position zur Abtreibung gerade katholische Kliniken kontaktiert, ist zudem dringend klärungsbedürftig.

Der Schutz eines Menschenlebens gilt uneingeschränkt und von der Zeugung an.

Kardinal Meisner stellt in einer Presseerklärung vom 22. Januar 2013 vorweg fest:

„Die Kirche vertritt eine klare Position für das Leben: Der Schutz eines Menschenlebens gilt uneingeschränkt und von der Zeugung an. Der Lebensschutz ist, auch nach meiner festen Gewissensüberzeugung, eine unüberschreitbare Grenze und jedem menschlichen Eingriff entzogen. Ich bin mir bewusst, dass dies – wie in diesem Fall – in geradezu unerträgliche Entscheidungssituationen führt.

Ich bin aber überzeugt, dass wir diese Position des absoluten Lebensschutzes nicht relativieren dürfen, weil wir sonst die Menschenwürde insgesamt relativieren. Sie ist unteilbar. Auf ihr ruht unser Bild vom Menschen als Ebenbild Gottes, unser Verständnis von der menschlichen Person und nicht zuletzt das Fundament unserer freiheitlichen Gesellschaft. Der Ruf unseres Gewissens verpflichtet uns, alles zu tun, dass die Entscheidung immer zugunsten des Lebens ausfällt.“

Wirkmechanismen der Abtreibungspillen nicht trennbar

Bereits am 26. Januar 2013 hat der Mediziner und Theologe S.E. DDr.Klaus Küng, Diözesanbischof von St. Pölten in Niederösterreich, in einem Gespräch mit ‚kath.net‘ klargestellt, daß die sogenannte „Pille danach“ aus der Sicht der Katholischen Kirche auch im Notfall nicht erlaubt ist. Offenbar deshalb, weil die von Kardinal Meisner angenommene Trennbarkeit von Wirkungsweisen zur Verhinderung der Zeugung von Wirkungsweisen der Einnistung einer befrucheten, Leben seienden Eizelle nicht möglich ist. Ein- und dasselbe Präparat kann somit beide Wirkungen auslösen.

Das weiß auch Kardinal Meisner. In seiner Darlegung „Arzt muss zu verantwortungsvoller eigener Entscheidung kommen“ weist der Kardinal explizit auf „Nebenwirkungen“ hin, die das gezeugte Leben schädigen oder töten können: „Andererseits haben bekanntlich sehr viele Präparate und Verhaltensweisen Nebenwirkungen, die das beginnende menschliche Leben schädigen oder im Ex­tremfall sogar töten können.“

Klare Position durch Bischof Küng, Arzt und Theologe

Bischof Klaus Küng im zitierten Gespräch mit ‚kath.net‘ zur Vertretbarkeit der „Pille danach“: Sie ist nicht erlaubt. 

Und weiter: „Bezüglich ‚Pille danach‘ ist zu bedenken: Zum einen gibt es ‚Mifegyne‘, eine Abtreibungspille, die nichts anderes bewirkt als die Einleitung einer rasch und sicher erfolgenden Abbruchblutung.

Bei bestehender Schwangerschaft bedeutet dies ein ‚Schwangerschaftsabbruch‘ durch die Verabreichung eines bestimmten Hormons in hoher Dosis. Wer diese Pille ‚zur Sicherheit‘ (für den Fall, dass es zu einer Schwangerschaft gekommen sein sollte) anwendet, begeht jedenfalls der Intention nach eine Abtreibung, die nach kirchlichem Verständnis nie erlaubt sein kann.

Es gibt aber auch die sogenannte „Pille danach“, wirksam bis zu 72 Stunden danach: Es handelt sich um ein antiovulatorisch wirkendes Präparat, das das Heranreifen der Eizelle und den Follikelsprung (Freiwerden einer Eizelle) unterdrückt.

Wenn der Geschlechtsverkehr unmittelbar vor oder nach dem Follikelsprung stattgefunden hat, kann aus medizinischer Sicht nicht ausgeschlossen werden, daß auch eine Nidationshemmung – sprich Frühabtreibung – stattfinden kann. Daher ist die Ablehnung der „Pille danach“ aus moralischen Gründen richtig.“

Untragbare Haltung des Kölner Kardinals

Der eigentliche Sprengstoff der „Erklärung des Erzbischofs von Köln zur „Pille danach‘“ vom 31. Januar 2013 liegt allerdings in nachstehender Aussage: 

„Darüber hinaus ist nichts dagegen einzuwenden, dass sie [die Ärztein diesem Fall auch über Methoden, die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar sind, und über deren Zugänglichkeit aufklären, wenn sie dabei, ohne irgendwelchen Druck auszuüben, auf angemessene Weise auch die katholische Position mit Argumenten erläutern.

Das bedeutet nichts anderes, als daß Katholiken bei der Beitragstäterschaft in Bezug auf Vergehen weitreichendster Auswirkungen (hier: „Aufklärung“ über Tötungsmöglichkeiten menschlichen Lebens) dann vom Erzbischof als exculpiert gelten, wenn Sie dem mutmaßlichen (Mit-)Täter auch über die (hier wohl diametral entgegenstehende) katholische Position erläutern.

Das kann so wohl nicht eine überlegte Position eines Kardinals sein!

Wie es aufgefaßt wird: Freibrief für „Abtreibungspille ‚danach‘“

Die Erläuterungen von Kardinal Meisner sind explizit mit dem Hinweis auf die ausschließliche Anwendbarkeit im Vergewaltigungsfall publiziert worden. Das wird, weil die Kirche zur Zustimmung zur Abtreibung genötigt werden soll, in der Öffentlichkeit systematisch ignoriert. 

Die „Badische Zeitung“ interpretiert die Aussagen des Kardinals wie erwartet: „Die Krankenhäuser reagierten erleichtert auf die Erklärung des Erzbischofs. ‚Es gibt also kein generelles Verbot der Pille danach für Vergewaltigungsopfer‘, stellten sie fest. Die Erklärung nehme den Ärzten die in letzter Zeit entstandene Unsicherheit und berücksichtige ihre Eigenverantwortung. Auch Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) begrüßte die klarstellenden Worte des Erzbischofs. Sie müssten für alle katholischen Kliniken in NRW Signalwirkung haben.“

Lob von Radikalfeministin Alice Schwarzer

„Sie sind es gewohnt, kritisiert zu werden“, schrieb Schwarzer in einem offenen Brief an den Erzbischof von Köln. „Da ist es nur fair, Sie auch zu loben, wenn Sie etwas richtig machen. Und das haben Sie gerade getan. Sie haben in der Debatte um die ‚Pille danach‘ die Menschlichkeit sprechen lassen.“

Spätestens nach diesen öffentlichen Interpretationen sollten diese Erläuterungen überdacht werden.

„Nec laudibus nec timore!“

Seliger Clemens August Kardinal von Galen, Wahlspruch

Es gelten die traditionellen katholischen Begriffsdefinitionen.

 
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