Donnerstag, 8. Mai 2014
Klerus

Die Lethargie der Glaubenswächter

Der katholische Philosoph Dietrich von Hildebrand (1889–1977), bekannt als Schüler Edmund Husserls und dezidierter Gegner sowohl des Kommunismus als auch des Nati-onalsozialismus, verteidigte in seiner in Buchform erschienenen Schrift „Der verwüstete Weinberg“ (Imprimatur Ordinariat Regensburg 1972) den Glauben gegen Zeitirrtümer, aber auch Einbrüche von innen. Nicht umsonst nannte ihn Papst Pius XII. einen „Kirchenlehrer des 20. Jahrhunderts“.

Das erste Kapitel des genannten Werkes ist der Lethargie – besser dem Versagen – der katholischen Bischöfe gewidmet.


Dietrich von Hildebrand:
Der verwüstete Weinberg
247 Seiten, 12,60 Euro
Lins-Verlag

Ab August 2014 z. B. über den Sarto Verlag erhältlich

„Die Macht der Bösen lebt von der Feigheit der Guten“

Der erste Teil dieses Abschnitts steht ganz unter diesem Motto, nach einem Wort des hl. Don Bosco. Hildebrand weist ausdrücklich darauf hin, daß er nicht in erster Linie jene Bischöfe im Visier hat, die die Kirche zerstören oder in etwas ganz anderes umwandeln wollen: „Ich denke an die viel zahlreicheren Bischöfe, die keinerlei solche Intentionen haben, die aber, wenn es um das Einschreiten gegen häretische Theologen oder Pfarrer handelt oder gegen eine blasphemische Verunstaltung des Kultes – keinerlei Gebrauch von ihrer Autorität machen.“ Diese Bischöfe schließen die Augen vor den Mißständen und ignorieren alle Appelle, die sie an ihre Pflicht erinnern, gegen die Kirchenzerstörer einzuschreiten.

Sie erwecken den Eindruck, vor etwas Angst zu haben.

Wovor haben die Bischöfe Angst?

Sie fürchten, „von der Presse oder den Massenmedien angegriffen und als reaktionär, engherzig, mittelalterlich verschieden zu werden.“

Aber die entscheidende Furcht, die im Hinblick auf ihr eigenes Seelenheil vonnöten wäre, kennen sie nicht: „Sie fürchten die Menschen mehr als Gott.“

Die Ursache dieser Zeitkrankheit (Feigheit): „aggiornamento“ (Anpassung)

Diese Krankheit ist im weltlichen Bereich weit verbreitet: „Aber daß sie auch in die Kirche eingedrungen ist, ist eines jener furchtbaren Symptome dafür, daß der Kampf gegen den Geist der Welt unter dem Schlagwort des ‚aggiornamento‘ durch ein Mitschwimmen mit dem Zeitgeist ersetzt worden ist. Man muß an den Mietling denken, der seine Herde den Wölfen überläßt – wenn man an die Lethargie so vieler Bischöfe und Ordensoberen denkt, die selbst noch orthodox [im Sinne von rechtgläubig] sind, aber nicht den Mut haben, gegen die flagrantesten Häresie und Mißbräuche aller Art in ihren Diözesen oder in ihrem Orden einzuschreiten.“

  • Frage: Wie ist es seit dem Erscheinen dieses Buches um die Rechtgläubigkeit der meisten Bischöfe bestellt?
    Manche stellen Forderungen auf, die der Lehre der Kirche eindeutig widersprechen – zum Beispiel, Ehebrecher zur Hl. Kommunion zuzulassen. Oder andere, die Achtung vor den Homos fordern: Sind diese Bischöfe privat vielleicht rechtgläubig und stellen sich nur angesichts des öffentlichen Drucks gegen die Tradition und das kirchliche Lehramt?

Die falschen Opfer bischöflicher Maßnahmen

Gegen jene Gläubigen aber, die für die Rechtgläubigkeit kämpfen, die also das tun, was diese Bischöfe unterlassen, nehmen die Mietlinge eine autoritative und rigorose Haltung ein. So hieß es in einem Brief von hoher Stelle, der an eine aktive Gruppe von Kämpfern für den Glauben gerichtet war: „Sie haben keine andere Aufgabe, als sich gehorsam an alle Verfügungen Ihres Bischofs zu halten.“

Die Grenzen des kirchlichen Gehorsams

Eine solche Forderung an Katholiken zu stellen, ist angebracht in jenen Zeiten, in denen keine Häresien in der Kirche vorkommen, ohne sofort vom Rom verurteilt zu werden. Sie wären aber „gewissenlos in einer Zeit, in der die Häresien unverurteilt ihr Unwesen in der Kirche treiben und auch Bischöfe von ihnen angekränkelt sind, ohne abgesetzt zu werden“.

Fazit

Die Treue zur wahren Lehre der Kirche ist der Ergebenheit gegenüber dem Bischof übergeordnet.

„Nec laudibus nec timore!“

Seliger Clemens August Kardinal von Galen, Wahlspruch

Es gelten die traditionellen katholischen Begriffsdefinitionen.

 
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