Donnerstag, 6. Februar 2014
Ad-limina-Besuch

Massive Kritik Roms an der fehlenden Glaubensvermittlung in Österreich

Fehlende Missionierung, unzureichende Glaubensvermittlung vor allem in der Familie, Glaubensverfall, unbekämpfte Austrittswelle, Untätigkeit der Kirche, Unersetzbarkeit der Ehe, fehlende Beichte – heftige Kritik Roms an den Mißständen in Österreich

Das Bulletin Roms zum Ad-limina-Besuch 2014 enthält – im Gegensatz zu Kardinal Schönborns Darstellungen – massive Kritik an der Tätigkeit der österreichischen Bischöfe [Bild: vatican.va]

Episcopale Schönfärberei

Kardinal Schönborn ist der Schönfärber der eigenen Versäumnisse. So wird von ihm auch der Ad-limina-Besuch in Rom so dargestellt, als hätte der Heilige Vater bloß ein zufriedenes Pläuschchen mit den österreichischen Bischöfen gehalten.

Bulletin Roms

Das Bulletin Roms zum Ad-limina-Besuch des österreichischen Episcopats (VISITA "AD LIMINA APOSTOLORUM" DEI PRESULI DELLA CONFERENZA EPISCOPALE DELL’AUSTRIA, 30.01.2014) klingt nach Weglassung innerkirchlicher und diplomatischer Höflichkeiten schon deutlich anders.

Nachfolgend der Originaltext (in Kursivschrift) mit Darlegungen der zugrundeliegenden Aussagen.

VISITA "AD LIMINA APOSTOLORUM" DEI PRESULI DELLA CONFERENZA EPISCOPALE DELL’AUSTRIA, 30.01.2014

Liebe Mitbrüder,

ich freue mich, dass ich durch diese intensive Begegnung mit Euch im Rahmen Eures Ad-limina-Besuchs von den Früchten der Kirche in Österreich beschenkt werde und dass auch ich ihr etwas schenken darf. Ich danke Eurem Vorsitzenden Kardinal Schönborn für die zuvorkommenden Worte, die mir versichern, dass wir den Weg der Verkündigung des Heils Christi gemeinsam weitergehen. Jeder von uns bildet Christus ab, den einzigen Mittler des Heils, erschließt der Gemeinde sein priesterliches Wirken den Sinnen nach und hilft somit, die Liebe Gottes in der Welt immer wieder neu gegenwärtig zu machen.

  • Begrüßung und Feststellung des Heiligen Vaters, daß die Kirche in Österreich nach Aussage Kardinal Schönborns doch mit Rom vereint bleibt. Offenbar war dazu eine Versicherung von Kardinal Schönborn nötig, um Zweifel im Vatikan zu mindern.

Acht Jahre ist es her, dass die Österreichische Bischofskonferenz das letzte Mal aus Anlass des Ad-Limina-Besuchs zu den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus gepilgert und zu Konsultationen mit der Römischen Kurie zusammengetroffen ist. Bei dieser Gelegenheit sind die meisten von Euch auch meinem geschätzten Vorgänger Benedikt XVI. begegnet, der damals erst wenige Monate im Amt war. Die unmittelbar folgenden Jahre waren durch eine Sympathie seitens der Österreicher für die Kirche und für den Nachfolger Petri geprägt. Das zeigte sich beispielsweise beim Papstbesuch anlässlich des 850-Jahr-Jubiläums des Heiligtums von Mariazell im Jahr 2007 mit der trotz der Wetterunbilden überaus herzlichen Aufnahme durch die Bevölkerung.

  • Rückblick auf den Besuch des Heiligen Vaters 2007 in Mariazell, in dessen Rahmen auch der erste Pastoralbesuch in St. Pölten beim glaubenstreuen Bischof Dr. Kurt Krenn, dessen Tod im Vatikan auch im Zuge des Ad-limina-Besuches besonders gedacht wurde, erfolgte.

Es folgte dann für die Kirche eine schwierige Phase, deren Symptom unter anderem ein rückläufiger Trend beim Anteil der Katholiken an der österreichischen Gesamtbevölkerung ist. Dieser Trend hat verschiedene Ursachen und hält schon seit mehreren Jahrzehnten an.

  • Trotz des Besuchs des Heiligen Vaters geht unter der Führung von Kardinal Schönborn der Glaubensverlust „munter“ weiter.

Die Entwicklung darf uns nicht tatenlos sehen, sondern muss im Gegenteil unser Bemühen um die stets notwendige neue Evangelisierung anfachen.

  • Deutlicher Rüffel des Heiligen Vaters für die Untätigkeit der österreichischen Bischöfe; vor allem die fehlende Neuevangelisierung wird kritisiert. Der Vorwurf der „Tatenlosigkeit“ der Bischöfe gegen die anhaltende Austrittswelle ist kaum mehr steigerbar.

Auf der anderen Seite ist ein ständiger Zuwachs der Solidarität zu beobachten, Caritas und andere Hilfswerke werden mit großzügigen Gaben bedacht. Auch der Beitrag der kirchlichen Einrichtungen im Bereich der Erziehung und Gesundheit wird allseits geschätzt und stellt einen nicht wegzudenkenden Teil der Gesellschaft Österreichs dar.

  • Der Heilige Vater, der in Fragen der Kindstötung im Mutterleib die einzig mögliche katholische Position (die der strikten Ablehnung) vertritt, hat im Falle der Caritas offenbar nicht Kenntnis davon, daß die Caritas genau für diese Kindstötung Geldzahlungen leistet bzw. geleistet hat.

Wir dürfen Gott dankbar sein für das, was die Kirche in Österreich zum Heil der Gläubigen und zum Wohl vieler Menschen wirkt, und ich selber möchte jedem von Euch und durch Euch den Priestern, Diakonen, Ordensleuten und engagierten Laien, die bereitwillig und großherzig im Weinberg des Herrn arbeiten, meinen Dank aussprechen.

  • Der Papst dankt den romtreuen („im Weinberg des Herrn“) Katholiken für deren Taten.

Wir dürfen aber nicht das Erreichte und Vorhandene bloß verwalten, das Feld Gottes muss ständig bearbeitet und bestellt werden, damit es auch in Zukunft Frucht bringt. Kirche sein heißt nicht verwalten, sondern hinausgehen, missionarisch sein, den Menschen das Licht des Glaubens und die Freude des Evangeliums bringen.

  • Nochmals tadelt Papst Franz die Bischöfe, nicht bloß kirchenverwaltend tätig zu sein, und fordert sie zur verstärkten Missionierung auf.

Vergessen wir nicht, dass die Triebfeder unseres Einsatzes als Christen in der Welt nicht die Idee einer Menschenfreundlichkeit, eines unbestimmten Humanismus ist, sondern eine Gabe Gottes, nämlich das Geschenk der Gotteskindschaft, die wir in der Taufe erhalten haben. Und diese Gabe ist zugleich ein Auftrag. Kinder Gottes verstecken sich nicht, sie tragen die Freude ihrer Gotteskindschaft in die Welt hinaus.

  • Die Bischöfe sollen das Christentum nicht bloß unter dem Aspekt der Menschenfreundlichkeit und eines unbestimmten Humanismus sehen, sondern als Gabe und Auftrag Gottes, dieses „in die Welt hinaus“ zu tragen.

Und das bedeutet auch, sich darum zu bemühen, ein heiligmäßiges Leben zu führen. Das sind wir zudem der Kirche schuldig, die, wie wir im Glaubensbekenntnis bezeugen, heilig ist. Sicher, »die Kirche umfasst Sünder in ihrem eigenen Schoß«, wie es das Zweite Vatikanische Konzil formuliert (Lumen gentium, 8). Aber das Konzil sagt an der gleichen Stelle, dass wir uns nicht mit der Sünde abfinden sollen, dass nämlich »Ecclesia sancta simul et semper purificanda«, die heilige Kirche immer wieder zu reinigen ist. Und das heißt, dass wir um unsere eigene Reinigung – im Sakrament der Versöhnung – stets bemüht sein sollten.

  • Zur Kirche in Österreich zählen freilich auch Sünder. Das Zweite Vaticanum verlangt aber ausdrücklich deren Reinigung. Hier fällt beispielsweise das Vorgehen des „Kardinals von Stützenhofen“ ein, als er mit einem schwulen Pfarrgemeinderat den rechtgläubigen Ortspfarrer vertrieb, statt den Homo-Pfarrgemeinderat zur Umkehr in seiner Lebensführung zu bringen.

Die Beichte ist der Ort, wo wir Gottes barmherzige Liebe erfahren und Christus begegnen, der uns die Kraft zur Umkehr und zum neuen Leben gibt. Und wir wollen als die Hirten der Kirche den Gläubigen beim Wiederfinden dieses wunderbaren Sakraments einfühlsam und verständnisvoll zur Seite stehen und ihnen gerade in dieser Gabe die Liebe des Guten Hirten spüren lassen. So bitte ich Euch, werdet nicht müde, die Menschen zur Begegnung mit Christus im Sakrament der Buße und der Versöhnung einzuladen.

  • Rom sieht einen massiven Mißstand im Bereich der mittlerweile in Österreich weitgehend fehlenden Ausübung der Beichte und fordert die Bischöfe auf, auf das „Sakrament der Buße und der Versöhnung“ verstärkt zu achten.

Ein wichtiges Feld unseres Wirkens als Hirten ist die Familie. Sie ist ein Herzensanliegen der evangelisierenden Kirche. »Die christliche Familie ist ja die erste Gemeinschaft, der es obliegt, dem heranwachsenden Menschen das Evangelium zu verkünden und ihn durch eine fortschreitende Erziehung und Glaubensunterweisung zur vollen menschlichen und christlichen Reife zu führen« (Familiaris consortio, 2).

  • Der Kirche in Österreich mangelt es an der Glaubensunterweisung der heranwachsenden Katholiken. Vor allem wird der Wert der christlichen Familie unzureichend vermittelt.

Der Grund, auf dem sich ein harmonisches Familienleben entfalten kann, ist dabei vor allem die eheliche Treue. Leider sehen wir in unserer heutigen Zeit, dass in den Ländern der westlichen Welt die Ehe und die Familie eine tiefe innere Krise durchmachen. »Im Fall der Familie wird die Brüchigkeit der Bindungen besonders ernst, denn es handelt sich um die grundlegende Zelle der Gesellschaft, um den Ort, wo man lernt, in der Verschiedenheit zusammenzuleben und anderen zu gehören, und wo die Eltern den Glauben an die Kinder weitergeben« (Evangelii gaudium, 66).

  • Die fehlende Glaubensbildung führt in der Kirche in Österreich dazu, daß die Familie nicht mehr ihre Funktion auch in der Glaubensweitergabe erfüllt.

Die Globalisierung und der neuzeitliche Individualismus fördern einen Lebensstil, der die Entwicklung und die Stabilität der Bindungen zwischen den Menschen sehr erschwert und der Entfaltung einer Kultur der Familie nicht günstig ist. Hier tut sich ein neues Missionsgebiet für die Kirche auf, z. B. in Familienkreisen, wo Raum geschaffen wird für Beziehungen unter Menschen und Beziehungen mit Gott, wo eine echte Gemeinschaft wachsen kann, die jeden auf gleiche Weise annimmt und sich nicht in Elitegruppen einschließt, die Wunden heilt, Brücken baut, sich wirklich auf die Suche nach den Fernstehenden macht und mithilft, dass »einer des anderen Last trage« (Gal 6,2).

  • Die Bischöfe widmen sich zu wenig der Missionierung im Bereich der Familien und unternehmen zu wenig gegen die Zerstörung von Ehe und Familie.

Die Familie ist also ein vorrangiger Ort der Evangelisierung und der lebendigen Weitergabe des Glaubens. Tun wir alles, damit in unseren Familien gebetet wird, der Glaube als Teil des täglichen Lebens erfahren und weitergegeben wird. Die Sorge der Kirche um die Familie beginnt mit einer rechten Vorbereitung und Begleitung der Eheleute wie auch mit der getreuen und klaren Darlegung der kirchlichen Lehre zu Ehe und Familie. Als Sakrament ist die Ehe Geschenk Gottes und Auftrag zugleich. Die Liebe zweier Brautleute wird durch Christus geheiligt, und die Partner sind dazu aufgerufen, diese Heiligkeit durch ihre Treue zueinander zu bezeugen und zu pflegen.

  • Nochmals betont der Heilige Vater, daß sich die Bischöfe nicht ausreichend um eine Weitergabe des Glaubens in der Familie bemühen. Das beginnt schon in der mangelnden Ehevorbereitung. Die Bischöfe werden aufgefordert, die offenbar fehlende „getreue und klare Darlegung der kirchlichen Lehre zu Ehe und Familie“ verstärkt umzusetzen. Angesprochen werden hier die Themen Scheidung und Wiederverheiratung.

Ausgehend von der Familie, der Hauskirche, wenden wir uns kurz der Pfarrei zu, dem großen Feld, welches der Herr uns anvertraut hat, um es mit unserer seelsorglichen Arbeit fruchtbar zu machen. Die Priester, die Pfarrer sollten sich immer wieder bewusst machen, dass ihre Leitungsaufgabe ein zutiefst geistlicher Dienst ist. Es ist immer der Pfarrer, der die Pfarrgemeinde leitet, wobei er zugleich auf die Unterstützung und den wertvollen Beitrag verschiedener Mitarbeiter und aller Gläubigen zählt.

  • Das neoprotestantische Modell Schönborns und seiner Anti-Rom-Apologeten z. B. bezüglich des „Diözesanprozesses APG2.1“ mit der Übergabe von Funktionen des Pfarrers an Laien ist abzulehnen. Vielmehr ist dafür zu sorgen, daß die Pfarrgemeindeleitung nur durch den Pfarrer erfolgt, der Gläubige für einzelne Aufgaben zu seiner Unterstützung auswählt.

Wir sollten nicht Gefahr laufen, den sakramentalen Dienst des Priesters zu verdunkeln.

  • Der sakramentale Dienst ist dem Priester vorbehalten. Eine deutliche Absage an die „Viri probati“-Träume des Linkskatholiken und Laienersatzmodelle für von Geistlichen zelebrierten Heiligen Messen.

In unseren Städten und Dörfern gibt es mutige und schüchterne Menschen, gibt es missionarische und schlafende Christen. Und es gibt die vielen, die auf der Suche sind, auch wenn sie es sich nicht eingestehen. Jeder ist gerufen, jeder ist gesandt. Aber es ist nicht gesagt, dass der Ort dieses Rufs nur das Pfarrzentrum ist. Es ist nicht gesagt, dass sein Moment notwendig die gemütliche Pfarrveranstaltung ist. Der Ruf Gottes kann uns genauso erreichen am Fließband und im Büro, im Supermarkt, im Stiegenhaus, also an den Orten des alltäglichen Lebens.

  • Die Bischöfe werden nochmals zu Missionierung aufgerufen. Sie mögen sich verstärkt um Formen der Glaubensweitergabe auch außerhalt der Pfarrgemeinden bemühen.

Von Gott reden, die Botschaft von der Liebe Gottes und der Erlösung in Jesus Christus zu den Menschen bringen, ist Aufgabe eines jeden Getauften. Und diese umfasst nicht nur das Sprechen mit Worten, sondern alles Handeln und Tun. Unser ganzes Dasein muss von Gott reden, selbst in den unscheinbaren Dingen. Dann ist unser Zeugnis echt, dann wird es auch in der Kraft des Heiligen Geistes stets neu und frisch sein. Damit dies gelingt, muss die Rede von Gott zuallererst Rede mit Gott sein, Begegnung mit dem lebendigen Gott in Gebet und Sakrament. Gott lässt sich nicht nur finden, sondern er macht sich in seiner Liebe selbst auf, dem Suchenden entgegenzugehen. Der Mensch, der sich an die Liebe Gottes klammert, versteht, die Herzen der anderen für die göttliche Liebe zu öffnen, um ihnen zu zeigen, dass nur in der Gemeinschaft mit Gott das Leben in Fülle ist. Gerade in unserer Zeit, wo wir zu einer »kleinen Herde« (Lk 12,32) zu werden scheinen, sind wir als Jünger des Herrn berufen, als eine Gemeinschaft zu leben, die Salz der Erde und Licht der Welt ist (vgl. Mt 5,13–16).

  • Hier werden wohl die ungebremsten Kirchenaustritte angesprochen, gegen die nach Meinung Roms die Bischöfe nur unzureichende Maßnahmen einleiten. So hat Wien nur mehr einen Katholikenanteil von 37 Prozent der Bevölkerung. Kardinal Schönborn zeigte sich dennoch zufrieden, offenbar weil die Austrittswelle ihren galoppierenden „Trend“ beibehielt.

Maria, die unsere Mutter ist und die Ihr als Magna Mater Austriae besonders verehrt, sie helfe uns dabei, damit wir wie sie uns ganz dem Herrn öffnen und so fähig sind, anderen den Weg zum lebendigen und Leben spendenden Gott zu erschließen.

Aus dem Vatikan, am 30. Jänner 2014

Schönborniaden zum Ad-limina-Besuch

Und wie deutet Kardinal Schönborn die Gespräche mit dem Heiligen Vater um?

So erklärt er in der Nachrichtensendung „Zeit im Bild 1“ (Staatsfunk ORF) am 27. Jänner 2014: „Menschen leben zusammen, dann irgendwann kommen Kinder, dann überlegen sie doch zu heiraten, dann wird einmal zivil geheiratet und manche machen dann noch einen weiteren Schritt und heiraten kirchlich. Und er (der Papst) hat gesagt, das ist ein Weg, da spürt man, Menschen sind unterwegs und er hat uns sehr ermutigt, Menschen zu begleiten“.

Antikatholisches Familienmodell Schönborns

Wären die Aussagen von seinem Vorgänger als Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, Bischof Weber, gekommen, hätte man als Erklärung noch eine mangelnde intellektuelle Stärke finden können.

Dies ist bei Kardinal Schönborn jedoch nicht möglich.

So bleibt der Vorwurf der beabsichtigten Verdrehung päpstlicher Aussagen, der gerade eine Missionierung in Bezug auf Ehe und Familie verlangt und nicht eine untätige, bloß beobachtende Begleitung!

Hinweis

Siehe dazu auch

„Nec laudibus nec timore!“

Seliger Clemens August Kardinal von Galen, Wahlspruch

Es gelten die traditionellen katholischen Begriffsdefinitionen.

 
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