Samstag, 21. Dezember 2013
Eleison Kommentare CCCXXXVI (336)

Billot – I.

Bischof Williamsons Eleison Kommentare,
Nummer CCCXXXVI (336)

Seit Jahren halte ich einen Vortrag über die Sieben Zeitalter der Kirche, fußend auf dem Kommentar des Ehrwürdigen Bartholomäus Holzhauser über das Buch der Apokalypse (Geheime Offenbarung des Hl. Johannes). Holzhauser war ein deutscher Priester und Pfarrer aus Schwaben in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Er sagte, daß er seinen Kommentar aufgrund einer Eingebung abgefaßt hat. Mein Vortrag ist beliebt, vor allem wohl deshalb, weil er den Wahnsinn unserer Zeit in ein harmonisches Muster der Kirchengeschichte eingliedert. Doch erst neulich habe ich gelernt, daß Holzhausers Vision von einem berühmten klassischen Theologen geteilt wird, was das Abqualifizieren Holzhausers als bloßen Visionär oder „Erscheinungssüchtigen“ deutlich erschwert.

Im Epilog des ersten Bandes seiner klassischen Abhandlung über die Kirche Christi legt Kardinal Louis Billot (1846–1931) recht detailliert die von Holzhauser bestätigte Entsprechung dar zwischen den sieben Hauptzeitaltern der Kirchengeschichte und den sieben Sendschreiben an die sieben kleinasiatischen Gemeinden, welche das zweite und dritte Kapitel des Buches der Apokalypse ausmachen. Obwohl Billot in seinem Epilog Holzhauser nicht erwähnt, ist es kaum vorstellbar, daß er dessen Kommentar nicht kannte. Allerdings achtet Billot darauf, die Entsprechung nicht von einer Vision oder Eingebung ausgehen zu lassen, sondern von den griechischen Namen der sieben Gemeinden. Die Eignung dieser sieben Namen für die sich entwickelnde Kirchengeschichte ist entweder ein merkwürdiger Zufall, oder aber, und wahrscheinlicher, eine Spur der Vorsehung – schließlich ist Gott Herr der Geschichte.

So schreibt Billot, daß der Gemeindename Ephesus (vgl. Offenbarung des Johannes 1,1–7) auf griechisch „in Gang setzen“ bedeutet und offensichtlich dem Apostolischen Zeitalter (33–70 n.Chr.) entspricht, mit welchem die Kirche begann. Smyrna (Offb. 1,8–11) benennt die zweite Gemeinde und heißt „Myrrhe“, was eine Entsprechung für die Passion und die Leiden des Zweiten Kirchenzeitalters darstellt (70–313 n.Chr.), dem der Martyrer. Pergamon (Offb. 1,12–17) war eine für ihre Literatur berühmte Stadt, so daß das Wort „Pergament“ fortan das Material bezeichnete, worauf man schreibt, und einer ganzen Gruppe von berühmten Kirchenschriftstellern entspricht, welche zum Dritten Kirchenzeitalter gehören, dem der Kirchenlehrer (313–800). Thyatira benennt die nächste Gemeinde (Offb. 2,18–29) und bedeutet „Glanz des Triumphes“, eine Entsprechung für den tausendjährigen Triumph der katholischen Kirche, von Karl dem Großen (742–814) bis zur Französischen Revolution (1789).

Vielleicht könnte diese tausendjährige Epoche auch angesetzt werden vom Zeitpunkt der Bekehrung des Frankenkönigs Chlodwig (496) bis zum Ausbruch des Protestantismus (1517). Doch ob wir nun den Niedergang des Christentums auf die Reformation oder die Revolution datieren, so war in jedem Fall Sardes die fünfte Gemeinde (Offb. 3,1–6). Diese Stadt des Krösus, eines sagenhaft reichen Mannes, ruft einen Überfluß an Geld, materiellem Wohlstand und eine geistige Dekadenz hervor, so wie sie auch unsere Neuzeit charakterisieren. Tatsächlich passen die Warnungen des Hl. Johannes an die Gemeinde von Sardes exakt auf unser heutiges Zeitalter, wie kommende „Eleison Kommentare“ anhand von Billots Epilog zeigen werden.

Mit der sechsten Gemeinde bewegen wir uns eindeutig in Richtung Zukunft; sie trägt den Namen Philadelphia (Offb. 3,7–13), was „Liebe“ (Phil-) der „Brüderlichkeit“ (-adelphia) bedeutet. Kardinal Billot läßt diesen Namen dem letzten großen Triumph der Kirche enstprechen, welcher insbesondere durch die Bekehrung der Juden gekennzeichnet wird, wie der Hl. Paulus voraussagt (Römer 12,12), und durch ihre Versöhnung mit den Nichtjuden, welche zu guter letzt Brüder in Jesus Christus werden (Epheser 2,14–16).

Doch die Gemeinde von Philadelphia wird gewarnt, daß große Drangsal kommen wird (Offb. 3,10), welche mit dem Siebten und letzten Kirchenzeitalter korrespondiert, dem von Laodizea (Offb. 3,14–22), benannt nach dem Gericht (dike) der Völker (laon). Dies wird das Zeitalter der letzten und furchtbarsten Prüfung der Kirche sein, der Verfolgung durch den Antichrist. Ihm folgt dann das Jüngste Gericht über alle Seelen, welche je gelebt haben, und somit über alle Völker.

Kyrie eleison.

 

© 2011–2013 Richard N. Williamson. Alle Rechte vorbehalten.
Interessierten Lesern dieses Artikels wird eine einfache, nicht-ausschließliche Lizenz eingeräumt, den Artikel auszudrucken, per E-Post weiterzuleiten und bzw. oder im Internet zu veröffentlichen, solange keine inhaltlichen Änderungen am Artikel vorgenommen werden und solange diese Vorbehalts-Notiz mitgeliefert wird. Dies gilt für jede Art von hiermit erlaubter Vervielfältigung. Abgesehen von dieser beschränkten, nicht-ausschließlichen Lizenz darf kein Teil des Artikels ohne schriftliche Genehmigung des Herausgebers in irgendeiner Form oder durch irgendwelche elektronische oder mechanische Mittel, einschließlich Informationsspeicherungs- und Datenabfragesysteme, vervielfältigt werden. Ausgenommen sind Rezensenten, die kurze Passagen in einer Rezension zitieren dürfen, sowie jene Fälle, in denen hierin vervielfältigte Inhaltsrechte von seinen ursprünglichen Autoren oder anderen Rechteinhabern beibehalten werden. Eine weitergehende Vervielfältigung bedarf einer gesonderten Genehmigung.
Entsprechende Anfragen richten Sie bitte an: editorial@dinoscopus.org

www.dinoscopus.org

„Nec laudibus nec timore!“

Seliger Clemens August Kardinal von Galen, Wahlspruch

Es gelten die traditionellen katholischen Begriffsdefinitionen.

 
© kreuz-net.info, EMail: redaktion@kreuz-net.info, Impressum