Freitag, 13. September 2013
330 Jahre Entsatz von Wien

Menschenliebe des Bischofes Kollonitsch

Bischof Leopold Karl Kollinitsch reiste 1683 in das belagerte Wien und half, die Abwehr zu organisieren. Nach dem Sieg über die Türken sorgte er sich um hunderte Waisen.

Bischof Kollonitsch, der zur Stärkung der Verteidigungsmoral beim Anrücken der Türkenhorden nach Wien gefahren ist, sammelt seine „Beute“ aus dem Türkenlager ein: 500 Waisen, denen er auf eigene Kosten ein neues Zuhause und Geborgenheit gibt [Photo: kreuz-net.info]

Kampferprobter Malteserritter

Der Sohn des Grafen Ernst von Kollonitsch, des Befehlshaber der Festung Kormorn, war – im Gegensatz zu den meisten heutigen Bischöfen – ein Mann mutiger Taten.

Als Angehöriger des Malteser-Ritterordens war er zu dem türkenerprobt: Er kämpfte 1651 in Candia (Kreta) und vier Jahre später bei den Dardanellen gegen die türkischen Aggressoren.

Seit 1670 Bischof von Wiener Neustadt, zuvor Prior der Ordensniederlassung der Commende Mailberg und nachfolgend von Eger.

Abwehrkampf in Wien

Als 1683 die Türken Wien belagerten, reiste er in die Stadt, während andere aus ihr flüchteten.

Er organisierte gemeinsam mit Graf Starhemberg die Verteidigung der Stadt, sorgte für die Besoldung der Soldaten und richtete die medizinische Versorgung ein.

Zudem sorgte er für die geistliche Betreuung der Eingeschlossenen.

Als Kara Mustafa Pascha, der Belagerer Wiens, von dessen Anwesenheit in der Stadt erfuhr, kündigte er dem mutigen Bischof an, nach der vermeintlichen Einnahme der Stadt dessen abgeschlagenen Kopf auf einer Stange durch die Stadt zu führen.

Es sollte anders kommen: Kara Mustafas Schädel fand nach der Eroberung von Belgrad den Weg nach Wien.

1685 wurde Graf Kollonitsch Bischof von Raab in Ungarn, Erzbischof von Gran, Primas von Ungarn.

Sein Wirken wurde von der Kirche mit der Ernennung zum Kardinal gewürdigt.

Nach dem Sieg über die Türken in Wien sammelte er mehrere hundert Waisenkinder aus den Vorstädten und sorgte für deren Fortkommen und Erziehung. Das erzählen nachstehende Historie und Gedicht.

Rettung der Waisen nach der Befreiung Wiens

Während die ganze Armee im Lager „nach Beute griff, war der würdige Bischof Kollonitsch nur damit beschäftigt, jene hülflosen Kinder, deren Ältern unter unter den unglücklichen Gefangenen als das Opfer der feindlichen Wuth gefallen waren, aufzusuchen und Älternstelle an ihnen zu vertreten.

Er fand gegen 500 solche verlassene Waisen. Unbeschreiblich war der Jammer und das Elend, in dem er manche antraf.

Da lagen einige über die Leiber ihrer ermordeten Mütter, und saugten, dem Hungertode nahe, Blut statt Milch aus ihren Brüsten.

Andere wühlten in der Erde herum, und vermochten vor Hunger und Ermattung kaum mehr zu athmen.

Der würdige Priester schloß sie in seine Arme, bezahlte Leute, die sie in die Stadt tragen mußten, sorgte mit großen Kosten für Wohnung und Verpflegung, und ließ auch nachher noch viele derselben zu nützlichen Bürgern des Staates erziehen.

Kaiser Leopold war über die menschenfreundliche Aufopferung dieses Bischofs so gerührt, daß er ihm zum Lohne die Cardinals-Würde vom Papste erwirkte.“

So die Schilderungen der Taten von Bischof Kollonitsch in den „Vaterländischen Unterhaltungen“ von Leopold Chimani, Wien, 1815, die auch in nachstehendem Gedicht von Johann N. Vogl gepriesen werden.

„Nach meiner Beute hat keiner gesucht …“

Es sitzen in Wien im Kaisersaal
Die Fürsten und Helden in reicher Zahl.
Sie haben entsetzt die bange Stadt,
Nach der so gelüstet den Türken hat.

Und als nun zu Ende das reiche Mahl
Und freudig geleert der Siegespokal,
Spricht einer: „Genug nun mit Sang und Klang!
Nun sagt wer die beste Beute errang?“

Entgegnet ein Pole: „Des Sultans Gold
Hab ich mir aus seinem Zelt geholt“.
Ein Lothringer drauf: „Sein stolzes Panier
Erkämpft ich mit blut’gem Degen mir“.

Ein Wiener sodann: „Manch reiches Gewand
Entriß ich den Flücht’gen mit dieser Hand“.
Ein And’rer: „Gewaffen, so Helm und Speer
Errang ich und derlei Gezeugs noch mehr.“

Ein fünfter: „Ich wählte in aller Eil’
Arabische Pferde als meinen Teil.“
So wußte ein jeder nach seiner Art
Zu sagen, was ihm für ’ne Beute ward.

Nur einer im Kreise der Sieger saß,
Der über die and’ren das Wort vergaß.
„Wie stumm doch der Bischof. Bekennet auch Ihr!
Mich dünkt, Ihr errangt das Geringste schier.“

Herr Kollonitsch, also der Bischof hieß,
Entgegnet mit Lächeln: „Eins ist gewiß:
Was ihr auch erlangt durch der Türken Flucht,
Nach meiner Beute hat keiner gesucht.

Und doch ist’s das Köstlichste in der Tat,
Was einer erobert vom Schlachtfeld hat.“
Drauf winkt er den Dienern, auf tut sich das Tor,
Da dränget ein Heer sich von Kindern hervor,
Von Knaben und Mägdlein so zart und hold,
Die Wangen wie Röslein, die Locken wie Gold.

Die sinken aufs Knie vor dem Gottesmann,
Und schmiegen mit Weinen an ihn sich an.
„Das ist meine Beute!“ der Bischof sagt;
„Nach der hat nicht einer von euch gefragt.
Ich fand sie verlassen in Harm und Not,
Erwürgt ihre Mütter, die Väter tot.

Da führt ich sie alle nach Wien herein
Und will den Verwaisten ein Vater sein!“
Und als er zu ihnen gesagt dies Wort,
Da schwiegen beschämt wohl die anderen dort;
Denn was sie auch alle nach Hause gebracht,
Nicht glich es der Beute, die er gemacht.

„Nec laudibus nec timore!“

Seliger Clemens August Kardinal von Galen, Wahlspruch

Es gelten die traditionellen katholischen Begriffsdefinitionen.

 
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