Donnerstag, 12. September 2013
„Landplage Türken“

330 Jahre Entsatz von Wien

1683 besiegte das christliche Allianzheer die Türken vor Wien und leitete die Befreiung Südosteuropas aus dem türkischen Joch ein.

Wien 1683, die Armeen der Heiligen Liga besiegen die osmanischen Belagerungstruppen. Seit 1400 fallen türkische Truppen ins Reich ein, ein Fresco am Grazer Dom von Thomas von Villach zählt sie gar zu den sieben Landplagen. [Vorschaubild: Ginzkey, Hatschi Bratschi's Luftballon, ebenso politisch incorrect wie empfehlenswert]

Das christliche Entsatzheer

Anfang September 1683 sammelten sich die Heerscharen der von Papst Innozenz XI. vermittelten Heiligen Liga für den Angriff auf die türkischen Belagerungstruppen unter dem osmanischen Großwesir Kara Mustafa vor Wien.

Der französische König Ludwig XVI., den Papst Innozenz XI. zur Neutralität verpflichtete, war zuvor dem Sultan verbunden. Frankreich versuchte vergebens, den polnischen König von einem Zusammengehen mit der Armee Kaiser Leopolds I. abzuhalten.

Die formelle Führung des Entsatzheeres überließ Kaiser Leopold I. dem Polenkönig Jan III. Sobieski, die einzelnen Heeresteile blieben aber unter der Oberhoheit der jeweiligen Feldherrn.

Herzog Karl von Lothringen leitete die kaiserlichen Truppen (unter ihnen die vom Papst bereitgestellten Truppen), unterstützt von den Bayern und Franken unter Kurfürst Max Emanuel und den Sachsen unter Kurfürst Johann Georg III.

Die Finanzierung der Entsatzarmee erfolgte zu wesentlichen Teilen durch die Heilige Kirche unter Papst Innozenz XI., der wiederum auf Einkünfte und Vermögen kirchlicher Herrschaft und der Stifte und Klöster zurückgriff.

Die Soldaten in der Stadt wurden aus kirchlichem Vermögen bezahlt, insbesondere aus dem Depot des Primas von Ungarn, auf das der türkenkriegserfahrene Bischof Kollonitsch, der in die belagerte Stadt gekommen ist, zurückgriff.

12. September 1683

Die Stadt Wien unter dem Kommando von Ernst Rüdiger Graf Starhemberg konnte sich nur noch kaum der Angriffe der Osmanen erwehren, die mit rund 100.000 Mann die Stadt belagerten.

Diese hatten Gräben an die Stadt herangeführt sowie unterirdische Sprengkammern angebracht und entzündet. Zudem lag die Stadt unter dauerndem Artilleriefeuer.

Die Armeen der Heiligen Allianz nützten den von Kara Mustafa nur schwach gesicherten Wienerwald im Westen der Stadt als Aufmarschgebiet.

Nach Schätzungen umfaßten die Truppen unter der Führung Lothringens rund 40.000 Mann, zusätzliche 20.000 Soldaten stellte Jan Sobieski.

Der Angriff erfolgte vom Kahlen- und Leopoldsberg aus, zu Mittag konnten die Allianztruppen eine Front von Heiligenstadt bis Grinzing und Sievering errichten.

„Die Giauren [Ungläubigen = Christen] tauchten mit ihren Abteilungen auf den Hängen auf wie Gewitterwolken, starrend vor dunkelblauem Erz. Mit dem einen Flügel gegenüber den Walachen und Moldauern an das Donauufer angelehnt und mit dem anderen Flügel bis zu den äußersten Abteilungen der Tataren hinüberreichend, bedeckten sie Berg und Feld und formierten sich in sichelförmiger Schlachtordnung. Es war, als wälze sich eine Flut von schwarzem Pech bergab, die alles, was sich ihr entgegenstellt, erdrückt und verbrennt.“, beschreibt der osmanische Chronist Mehmet die Entsatzarmee.

Generalangriff

Der Generalangriff auf die Hauptverteidigungslinie der Osmanen erfolgt um drei Uhr zwanzig, der Angriffsdruck offenbar überwältigend, so daß selbst Kara Mustafas Lager in höchster Eile geräumt werden mußte.

So wie Kara Mustafa von der Zähigkeit der Verteidiger Wiens überrascht wurde, war es dies offenbar auch von der Stärke der christlichen Truppen.

Um fünf Uhr dreißig, nach knapp mehr als zwei Stunden, war die Schlacht vorbei.

Feigheit der Türken

Ein irischer Offizier zum Kampfgeschehen: „Wenn der Sieg nicht so umfassend war, wie wir es uns vorgenommen hatten, so ist das nur auf die Feigheit der Feinde zurückzuführen, die wir von morgens bis abends vor uns hertrieben, ohne daß sie den Mut gehabt hätten, uns ins Gesicht zu blicken; die wir von Stellung zu Stellung verdrängten und durch Engpässe jagten, was uns nie gelungen wäre, hätte sie auch nur eine Spur von Mut besessen. Die Schlacht währte bei den Truppen des Königs von Polen am längsten, aber das vergrößerte nur seinen Ruhm, weil die Verluste des Feindes an Soldaten und Geschützen dort am größten waren; der Feind ließ uns praktisch sein ganzes Lager zurück, mit Zelten, Taschen und Gepäck.“

Folgen

Mit dem Entsatz von Wien wurde die Verdrängung der Osmanen aus Osteuropa eingeleitet. Unter den Offizieren der Kaiserlichen Armee war übrigens der junge Prinz Eugen als Obrist-Leutnant.

Nach Schätzungen war der Blutzoll der Gebiete, in denen die Türken wüteten, mordeten und versklavten, doppelt so hoch wie im Zweiten Weltkrieg.

Literaturempfehlung

John Stoye
DIE TÜRKEN VOR WIEN
Schicksalsjahr 1683

Aus dem Englischen von Fred Jannuth
2. Auflage, 280 Seiten, Farb- und S/W-Abbildungen, Hardcover
Graz: Ares Verlag
ISBN 978-3-902475-87-9
€ 19,90

„Nec laudibus nec timore!“

Seliger Clemens August Kardinal von Galen, Wahlspruch

Es gelten die traditionellen katholischen Begriffsdefinitionen.

 
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