Mittwoch, 10. April 2013
Skuril-„Katholizismus“

Der „Kardinal von Stützenhofen“ (I)

Jubiläum! – Vor einem Jahr hat Kardinal Schönborn einen „praktizierenden“ Homo-Pfarrgemeinderat gegen einen glaubenstreuen Pfarrer getauscht.

Kardinal Schönborn: „Wie ich gehört habe, da ist ein Kandidat, der in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, habe ich gesagt: Das geht eigentlich nicht, es ist nicht kompatibel, Pfarrgemeinderäte haben sich an die Lehre der Kirche und an die Disziplin der Kirche zu halten.“ [Bild: Standbild ORF-Pressestunde vom 1. April 2012]

Schon wenig später (Ende Mai 2012) ist dem Wiener Kardinal bei einer Veranstaltung in der Pfarrei Hinterbrühl eine Vorahnung gekommen, daß der Sündenfall von Stützenhofen einer seiner (vielen) Kardinalsfehler ist und ihn länger hindurch noch begleiten werde, konterkariert Schönborn doch das Wirken Seiner Heiligkeit Benedikt XVI., der Katholiken zum Widerstand gegen Homo-Partnerschaft(sgesetze) aufgerufen hat.

Wissend, daß die Bestellung des Schwulen zum Pfarrgemeinderat dem Kirchenrecht widerspricht, hat er dessen Wahl bestätigt. In der Folge hat Stützenhofen den rechtgläubigen Pfarrer verloren, der nicht bereit war, mit jemandem ständig in der Pfarrgemeinde zusammenzuarbeiten, der offen katholischen Moralvorschriften bricht.

Nachfolgend als erster Teil eine Mitschrift der ORF-Pressestunde vom 1. April 2012.

Brigitte Handlos, ÓRF: Also da hat sich eine kleine Krise abgezeichnet, in der Gemeinde Stützenhofen in Niederösterreich, da gab es eine Pfarrgemeinderatswahl und da hat ein junger Mann die meisten Stimmen bekommen, der in einer eingetragenen Partnerschaft mit einem Mann lebt, jetzt gab's dort ein bißchen Aufregung, Sie haben das geschlichtet. Homosexualität ist aber nach wie vor in der Katholischen Kirche eine Sünde. Wie geht das zusammen?

Schönborn: „Das geht eigentlich nicht!“

Kardinal Schönborn: Das ist eine gute Frage, wie geht das zusammen. Ich stelle mir selber die Frage, und ich verstehe, daß nicht nur Gläubige, sondern auch allgemein Menschen unserer Gesellschaft sich nicht leicht tun damit. Ich, wenn ich das ganz kurz erzählen darf, wie es dazu gekommen ist: Stützenhofen ist die kleinste Pfarre unserer Diözese, und sie ist im Moment die bekannteste.

Ich liebe diese Gemeinde sehr, es ist eine sehr engagierte, sympathische Gemeinde, die ich auch persönlich recht gut kenne. Wie ich gehört habe, da ist ein Kandidat, der in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, habe ich gesagt: Das geht eigentlich nicht, es ist nicht kompatibel, Pfarrgemeinderäte haben sich an die Lehre der Kirche und an die Disziplin der Kirche zu halten.

Patterer, „Kleine Zeitung“: Ist das so festgeschrieben?

Kardinal Schönborn: Das ist in der Pfarrgemeinderatsordnung so festgeschrieben. Und ich habe dem Pfarrer eigentlich auch rechtgegeben, das geht nicht. Ich habe mir dann aber doch gedacht, ich möchte diesen jungen Mann, ich wußte nicht, wie alt er ist, ich wußte nichts über ihn, ich möchte diesen Kanditaten kennenlernen.

Ich habe ihn zu mir zum Mittagessen eingeladen, er hat gefragt, ob er seinen Lebensgefährten mitbringen darf. Ich habe gesagt, bitte, bringen Sie ihn mit. Und ich muß sagen, ich war von Florian Stangl menschlich, persönlich, auch christlich sehr beeindruckt. Er ist ein gläubiger, engagierter, bescheidener und wirklich liebenswürdiger Mann.

Und dann habe ich mir gedacht: Moment, es geht doch von Jesus her gesehen zuerst einmal um den Menschen, nicht um das Gesetz, ja, wer ist dieser Mensch? Und wir müssen in allen Moralfragen, die notwendig sind, aber wir müssen immer zuerst auf den Menschen schauen. Wer ist das? Und dann habe ich innerlich entschieden, ich möchte … Erstens verstehe ich, warum diese Gemeinde ihm die meisten Stimmen gegeben hat, weil er wirklich beeindruckend ist.

Schönborn: „… auf meine Kappe genommen“

Kardinal Schönborn: Zweitens habe ich mir gesagt, ich weiß, von der Regel her gesehen ist das problematisch. Aber ich stelle mich hinter ihn, ich glaube, dieser junge Mann ist da am richtigen Platz, und darum habe ich das auf meine Kappe genommen, auch wenn es natürlich kontroversiell …

Patterer: War das jetzt ein Betriebsunfall, ein interkirchlicher? Was heißt denn dieser Schiedsspruch jetzt auch für die Zukunft? Ist das jetzt eine kasuistische Entscheidung gewesen, bezogen nur …

Kardinal Schönborn: Eine persönliche Entscheidung, zu der ich stehe.

Patterer: Ein persönliche Entscheidung. Was heißt das für die Zukunft in Pfarrgemeinderäten?

Kardinal Schönborn: Was heißt das für die Zukunft?

Patterer: Geht dann die Türe wieder zu?

Kardinal Schönborn: Schauen Sie. Nein, machen wir nicht „die Homosexuellen“, sondern das sind Menschen. Menschen, die so empfinden oder anders empfinden. Und ich frage mich immer in diesen Situationen, wie hat Jesus gehandelt. Er hat zuerst den Menschen gesehen. Und ich glaube, das ist der entscheidende Punkt.

Schönborn: „auch wenn wir vielleicht vom Affen abstammen …“ 

Kardinal Schönborn: Natürlich muß es auch Regeln geben und ich möchte hier doch um ein Verständnis werben. Die erste Seite der Bibel, Gensis, Kapitel 1, dort heißt es: Gott schuf sie als Mann und Frau. Wir glauben daran, daß die Welt erschaffen ist, wir sind keine Zufallsprodukte – auch wenn wir vielleicht vom Affen abstammen –, aber wir sind keine Zufallsprodukte.

Gott hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen, das ist sozusagen das Baugesetz der Schöpfung. Deshalb sind Mann und Frau füreinander geschaffen und deshalb, wenn es heißt im 2. Kapitel der Genesis: deshalb wird der Mann Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, die beiden werden ein Fleisch sein.

Das heißt natürlich eine Lebenswirklichkeit, eine Gemeinsamkeit, das heißt aber auch, ein Fleisch im ganz konkreten Sinn.

Und von daher gesehen, wird in der biblischen Perspektive gleichgeschlechtliche Partnerschaft immer auch mit diesem Fragezeichen verbunden sein. Trotzdem geht es darum, zu sehen, wie das Gesamtzeugnis eines Menschen aussieht.

Der Homo hat Kardinal Schönborn „beeindruckt“

Kardinal Schönborn: Florian Stangl hat mich beeindruckt: Er arbeitet bei der Caritas mit Behinderten, er hat in der Pfarre wirklich ein Feingespür für die Menschen. Das ist doch entscheidend, und darum …

Patterer: Herr Kardinal, Sie können doch darauf nicht sozusagen eine Rechtssicherheit, eine Rechtsordnung aufbauen, ob der Betroffene jetzt sympathisch, hilfsbereit und gläubig ist, sondern die Leute wollen ja auch eine Sicherheit in der Kirche. Was heißt jetzt dieser Spruch für die Zukunft?

Kardinal Schönborn: Eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft müssen wir, wenn wir Zeit haben dafür, müssen wir zuerst einmal als das sehen, was sie in Österreich gesetzlich ist: Eine zivilrechtliche Absicherung für Besitzfragen, Besuchsrechte etc. Florian Stangl hat mir das auch erklärt, sie haben diese Partnerschaft eingegangen, aus dem ganz einfachen Grund, daß sie ein gemeinsames Haus haben. Das ist voll zu respektieren.

Schönborns Ausrede

Kardinal Schönborn: Wir haben auch als Kirche, wenn Sie sich erinnern, nicht protestiert gegen dieses österreichische Partnerschaftsgesetz, weil es nicht unbedingt sexualspezifisch ist, sondern daß zwei Menschen die Möglichkeit haben, ihr Miteinander zivilrechtlich abzusichern. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Daß die Kirche nachwievor sagen muß, wie es der Katechismus der Katholischen Kirche sagt, vor allem wie es die Bibel sagt, das Grundbaugesetz ist, wie der Schöpfer uns geschaffen hat: als Mann und Frau und: wachset und vermehret Euch!

Für die Juden ist das das erste Gebot in der Bibel, es steht nämlich auf der ersten Seite der Bibel: Wachset und vermehret Euch! Dieses Baugesetz, das werden wir nie grundlegend in Frage stellen können. Aber wir sind aufgefordert, den Menschen zu achten, auch in seiner Lebenssituation, die querliegt auch zu ersten Seite der Bibel.

Schönborn macht Unmögliches möglich …

Kardinal Schönborn: Der Mensch hat immer den Vorrang. Wir halten an beidem fest: Wir halten am Menschen fest, aber wir halten auch an der Regel fest.

„Nec laudibus nec timore!“

Seliger Clemens August Kardinal von Galen, Wahlspruch

Es gelten die traditionellen katholischen Begriffsdefinitionen.

 
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